Ante Covic macht als Hertha-Trainer eine unglückliche Figur.
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Berlin-WestendSichtlich aufgekratzt, aber bemerkenswert aufgeräumt präsentierte sich Ante Covic am Tag nach der 2:4-Niederlage gegen RB Leipzig. Einerseits weiß Herthas Cheftrainer, dass die dritte Niederlage in Folge und das Vorbeiziehen des 1. FC Union in der Tabelle den gestiegenen Ansprüchen im Westend nicht gerecht werden und dass sich dadurch der Druck auf seine Position weiter erhöht. Denn Hertha trennen nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz. „Elf Punkte aus elf Spielen. Ich glaube, das haben wir uns alle anders vorgestellt“, kommentierte Covic den schlechtesten Saisonstart seit fünf Jahren (ebenfalls elf Punkte). 

Andererseits haderte der Berliner mit dem Spielverlauf gegen Leipzig. „Wir haben gegen eine spielstarke Mannschaft gespielt, die zuletzt national wie international alles dominiert hat“, sagte Covic. RB hätte bis zu dem Zeitpunkt als Hertha alles nach vorne warf, keine klare Torchance gehabt. „Wir haben taktisch vieles richtig gemacht, aber bekommen die Tore quasi aus dem Nichts“, erklärte Covic.

Fünfter Strafstoß in dieser Saison

Es stimmt, dass Hertha zunächst gegen den müde wirkenden Champions-League-Teilnehmer auf Augenhöhe agierte, sogar trotz der von Covic   gewählten Mauer-Taktik durch den strammen Distanzschuss von Maximilian Mittelstädt nach einer halben Stunde in Führung ging. Doch durch einen von Karim Rekik verschuldeten Handelfmeter – es war bereits der fünfte Strafstoß in dieser Spielzeit – kassierten die Blau-Weißen erst den Ausgleich und gerieten noch vor Pause in Rückstand.

Richtig ist auch, dass Hertha gegen die Sachsen in der zweiten Halbzeit auch Pech hatte. So flog weder Konrad Laimer wegen eines Remplers gegen Javairo Dilrosun mit Gelb-Rot vom Platz, noch entschied Schiedsrichter Sören Storks auf Elfmeter, als Stefan Ilsanker Niklas Stark mit dem Unterarm die Nase brach. Herthas Innenverteidiger wurde bereits am Sonntag im Virchow-Klinikum operiert und wird aller Voraussicht nach abermals auf sein DFB-Debüt warten müssen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Hertha, eine Woche nach dem blutleeren Auftritt im Stadtduell beim 1. FC Union, insbesondere in der zweiten Halbzeit abermals kaum spielerische Mittel fand und letztlich ausgekontert wurde. Der vom Klub herbeigesehnte Entwicklungsschritt ist trotz der gestiegenen Qualität im Kader bisher nicht zu erkennen.

Ein heißer Herbst

Dass Covic ein heißer Herbst bevorsteht, wurde auf der ordentlichen Mitgliederversammlung in der Messehalle 22 am Sonntag klar. Im Umfeld von Hertha rumort es, nicht wenige Fans sehnen bereits den jüngst beim FC Bayern entlassen Berliner Niko Kovac herbei und fürchten die noch vor Weihnachten anstehenden Spiele gegen Klubs aus dem oberen Tabellendrittel. „Ich finde das legitim“, sagte Covic zu den ersten Diskussionen um seine Position. Das sei normal, „wenn man Spiele verliert“. Noch genießt er das Vertrauen von Manager Michael Preetz. „Als Neuling in der Liga ist die Rückendeckung vom Manager und vom gesamten inneren Zirkel des Vereins extrem wichtig“, erklärte Covic.

Gleichzeitig will der Kroate nichts vom drohenden Abstiegskampf wissen. Bewusst ist ihm aber, dass er nach der Länderspielpause in Augsburg unter Zugzwang steht. „Um in ruhigem Wasser zu fahren, sollten wir dort punkten. Das steht außer Frage“, erklärte Covic, der als langjähriger Herthaner sicherlich die Saison 2014/2015 noch vor Augen hat: Damals gewann zwar Jos Luhukay am 12. Spieltag mit 2:1 in Köln. Retten konnte der Sieg den Niederländer aber nicht. Im Februar folgte Pal Dardai, der Hertha erst am letzten Spieltag 2014/2015 und lediglich wegen der besseren Tordifferenz vor dem Abstieg bewahrte.