Anders Sebastian Polter die Eisernen wird Lukas Klünter die Herthaner nicht verlassen.
imago-images

BerlinBei Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin richten sich die gespannten Blicke wie bei allen ihren Bundesliga-Konkurrenten auf den kommenden Mittwoch. Die Hoffnung auf eine Erlaubnis der Politik für eine Saison-Fortsetzung eint alle Profi-Clubs. Ungeachtet der aktuellen Lage inmitten der Coronavirus-Krise geht das Augenmerk aber notgedrungen auch schon auf die weitere Zukunft. Bei Personal- und Strategieplanungen gibt es bei den Berliner Clubs durchaus ähnliche Themen.

Identifikation

Nirgendwo sind Emotionen so wichtig wie an der Wuhlheide. Aber Union Berlin verliert in Torwart Rafal Gikiewicz (32) und Stürmer Sebastian Polter (29) gleich zwei echte Typen. Ob Christian Gentner (34) noch ein Jahr bleibt, ist auch fraglich. In jedem Fall muss die durch die Fortgänge verursachte Identifikationslücke zu den Fans dringend wieder geschlossen werden. Andere müssen die Rolle übernehmen. Michael Parensen, seit elf Jahren im Verein, wäre ein Kandidat oder auch Neven Subotic (31).

Bei der Hertha steht Trainer Bruno Labbadia vor der Aufgabe jung und alt zu verbinden. Gleich sechs Spieler sind in den 1980er Jahren geboren. Vedad Ibisevic (35) und der unter Jürgen Klinsmann schon aussortierte Salomon Kalou (34) stehen für diese Generation. Haben sie noch eine Zukunft? Die Abteilung Jugend drängt schon nach. «Wir können im Moment nicht immer alle dazu nehmen. Aber sobald ein Platz frei wird, rückt ein junger Spieler nach. Wir wollen alle sehen», sagte Labbadia, der mit den Nachwuchsleuten eine extra Video-Runde abhielt. Sonderlob bekam Arne Maier (21). «Ich mag solche Spieler, weil sie Fußballer sind. Er ist voll dabei, versucht alles umzusetzen und ist motiviert», sagte der neue Coach.

Torhüter

Weil Gikiewicz nicht bleibt, braucht Union einen neuen Torwart. Spekuliert wurde in der Schweiz, dass Trainer Urs Fischer einen Landsmann haben will. Nun soll laut Medienberichten der Niederländer Jeroen Zoet vom FC Utrecht ein Kandidat sein. Es wird auch an den Finanzen liegen. Bei der Hertha war Rune Jarstein lange die klare Nummer 1. Dann schwächelte der Norweger in dieser Saison und verlor seinen Stammplatz an Thomas Kraft, der im Team viel Einfluss hat. Doch beide sind über 30 Jahre alt. Labbadia wird sich positionieren (müssen). Ein Telefonat kann er sich aber sparen. Gikiewicz, im Herzen auf immer ein Eisener, würde eher Haus und Hof hergeben, statt zur Hertha zu gehen.

Transfers

Die Corona-Krise sorgt für manch eigentümliche Wirren. Die Hertha weiß immer noch nicht, ob der im Winter gekaufte und an seinen Ex-Club Olympique Lyon zurückverliehene Lucas Tousart pünktlich zum 1. Juli in Berlin sein kann. Womöglich muss er noch im August für Lyon in der Champions League spielen? Manager Michael Preetz wünscht sich Antworten von der UEFA. Winter-Shopping-Meister Hertha wird trotz der Millionen von Investor Lars Windhorst genau hinschauen müssen. «Es ist eine ganz andere Herausforderung, die wir als Team jetzt in verschiedenen Szenarien durchdenken müssen», sagte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller in einem Interview von rbb24.

Das gilt natürlich noch mehr für Union. Und die bislang sportlich gute Saison könnte auf dem vermutlich volatilen Transfermarkt noch zum Problem werden, wenn der Finanzdruck steigen sollte. Einige Profis, wie Sebastian Andersson (28) und Robert Andrich (25) oder der vom 1. FC Magdeburg nur ausgeliehene Marius Bülter (27), dürften durch ihre guten Leistungen das Interesse der zahlungskräftigeren Konkurrenz geweckt haben.