Peter Mager, genannt "Pepe", ist im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Mager galt als Berliner Original und war in den 70er Jahren in der gesamten Fußball-Bundesliga bekannt. Er war einige Zeit Anführer der berüchtigten "Hertha-Frösche" und gründete 1972 den überhaupt ersten Hertha-BSC-Fanklub. Später war Mager, der die Mannschaften von Hertha BSC viele Jahre bei allen Spielen begleitete, als Fanartikel-Händler aktiv. Er betrieb einen mobilen Stand vor dem Olympiastadion und einen Shop in Friedrichshain. Mager lebte zuletzt in einem Pflegeheim in Tiergarten. 

Er stand schon in der Fankurve des Berliner Olympiastadions, als Otto Rehhagel im zarten Alter von 25 Jahren als eisenharter Verteidiger von Hertha BSC in der neu gegründeten Bundesliga auflief. Der Eintritt kostete 14 Mark auf der Tribüne, Stehplätze an der Marathontreppe waren für 2,50 Mark zu haben. Das war im August 1963. Später verpasste er kaum ein Spiel seiner Hertha – weder zu Hause, noch auswärts in den westdeutschen Stadien. Die Rede ist von Pepe Mager, dessen richtigen Namen Peter Klaus-Dieter Mager kaum jemand kennt.

Ein kräftiger Kerl

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal auf Pepe Mager traf. Es muss Anfang der Neunzigerjahre gewesen sein. Pepe war damals ein großer, kräftiger Kerl. Oft kam er mürrisch daher, liebte derbe Sprüche. Er konnte aber auch liebenswürdig sein. Und hilfsbereit. Gern erzählte er von den vielen Geschichten, die ihn zu „Pepe, den Oberfan“, zum Anführer der berüchtigten „Hertha-Frösche“ machten – und zu einem ligaweit bekannten Berliner Original.

1963 organisierte Pepe Auswärtsfahrten zu den Hertha-Spielen, was aufwendig war, weil die Fans durch die DDR reisen mussten. Er verkaufte aus dem Koffer Fanartikel und viel Bier, dass er zuvor in den Schließfächern am Bahnhof Friedrichstraße gebunkert hatte. Man fuhr in Interzonenzügen oder auch in Sonderzügen. Das Bier floss oft in Strömen. Die Fans nannten den geschäftstüchtigen Mager fortan Pepe nach dem Film „Die Lümmel von der ersten Bank“, wo es einen Pepe, den Paukerschreck gab. „Den Film habe ich zwölfmal gesehen“, erzählte mir Pepe einmal. Zuerst seien sie meist um die 30 Leute gewesen, die alle Spiele besuchten. Egal ob in Gelsenkirchen, Dortmund, München, Essen oder Frankfurt.

Geburtsstunde der "Hertha-Frösche"

Lange, blau-weiß und längs gestreifte Hosen waren ihr Markenzeichen. Im Februar 1970 schlug dann die Geburtsstunde der „Hertha-Frösche“. Beim Spiel Hertha gegen Rot-Weiß Essen, das die Berliner mit 4:0 durch je zwei Treffer von Franz Brungs und Lorenz Horr gewannen, war es bitterkalt. „So um die zehn Grad minus“, sagte Mager. Pepe und sein Anhang hüpften unermüdlich auf ihren Plätzen auf und ab, um sich warmzuhalten.

Der Journalist Lutz Rosenzweig von der Berliner Fußball-Woche verpasste ihnen deshalb den Namen „Hertha-Frösche“. Später sorgten diese Fans für viel Ärger, sie pöbelten, randalierten in den Fernzügen und prügelten sich oft mit den Anhängern von Schalke 04. „Die ham wa gern verdroschen“, so Pepe. Der distanzierte sich später von den oft zu gewaltbereiten „Fröschen“ und gründete im Februar 1972 zusammen mit dem ehemaligen Hertha-Präsidenten und Gastronomen Wolfgang Holst („Holst am Zoo“) den ersten Hertha-Fanklub überhaupt.

Pepe war in der Bundesliga bekannt wie ein bunter Hund, als Berliner Original mit Kodderschnauze. Einmal bekam er Post aus Westdeutschland. Es war ein Bierdeckel mit einer Briefmarke und der Adresse „Pepe Berlin“. Der Deckel kam tatsächlich an.

Pepe und seine Anhänger reisten auch ins Ausland. So zum Uefa-Pokalspiel der Hertha 1979 zu Dukla Prag. Pepe hatte angekündigt, bei einem Hertha-Sieg im Schlafanzug von zu Hause in Tiergarten bis zur Gedächtniskirche zu laufen und eine Kerze anzuzünden. Hertha gewann 2:1 und Pepe tat, unter dem Beifall seiner Anhänger, was er versprochen hatte.

1984 – Hertha verband schon eine Fanfreundschaft mit dem Karlsruher SC – machten sich Pepe und Fanfreund Helmut Friberg gemeinsam auf, um mit dem Rad bis Karlsruhe zu fahren. Ein symbolischer Akt der Zuneigung zum KSC. Mit dem Zug ging es bis Bebra und danach in fünf Tagen auf dem Rad bis Karlsruhe. Im Wildpark-Stadion fuhren die beiden eine Ehrenrunde und wurden frenetisch gefeiert. Für solche Aktionen war Pepe stets zu haben.

Das Hertha-Schiff geküsst

Er widmete sich fortan immer mehr dem professionellen Verkauf von Fanartikeln, stand viele Jahre mit seinem mobilen Verkaufsstand vor dem Olympiastadion. Später, nach dem Fall der Mauer, verkaufte er auch Devotionalien des 1. FC Union und hatte sich einige Jahre lang sogar sehr clever die Rechte am Logo des BFC Dynamo gesichert, der zwischenzeitlich FC Berlin hieß. 1995 eröffnete er einen festen Fanartikelladen mit dem symbolträchtigen Namen „Intershop“ in Friedrichshain. Es gab Utensilien von Hertha, von Union, vom BFC und anderen Klubs. Und auch „unter dem Tisch“ ab und an eine der viel begehrten Karten für das DFB-Pokalfinale. Pepe war nun endgültig ein Gesamt-Berliner.

Anfang der Neunzigerjahre trat er bei Wahlen als Gegenkandidat zu Hertha-Präsident Heinz Roloff, einem Bauunternehmer, an und prägte den Slogan „Wird dir deine Frau zur Qual, erwürg sie mit ’nem Hertha-Schal!“

1992, als Herthas Anhänger das Gründungsschiff in Wusterhausen/Dosse nördlich von Berlin wieder entdeckten, fuhr Pepe als einer der ersten Fans zum Liegeplatz des Schiffes. Er kniete vor dem Schiff nieder und küsste inbrünstig den Rumpf. Es flossen viele Tränen. Seine Laube in einer Kleingartenanlage strich er in den Farben Blau und Weiß.

Mager wird verdrängt

Später wurde aus seiner großen Liebe zu Hertha eine Hass-Liebe. Millionenschwere Profis, VIP-Logen und Spieler, die immer weniger Kontakt zu ihren Fans hatten, stießen ihn ab. Der Fußball wurde ihm zu kommerziell und zu unnahbar. Die neue Zeit konnte und wollte er nicht begreifen. Nach 40 Jahren musste er seinen Fanartikelstand am Olympiastadion räumen, der Senat hatte ein neues Konzept entwickelt, da war kein Platz mehr für sein altmodisches Mobil.

Zwei Schlaganfälle trafen Pepe später. Von Hertha habe sich niemand um ihn, den einst größten Anhänger, gekümmert, klagte Mager. Als er einmal mit seinem Schwerbehindertenausweis und Gehhilfen eine nahe VIP-Toilette im Olympiastadion aufsuchen wollte, wurde ihm das verweigert und er sollte stattdessen viele Treppen steigen, um ein anderes WC zu finden. Danach ging er – verbittert – nicht mehr ins Olympiastadion zu seiner Hertha. Den Zeiten, als der Fußball vor allem nach Bratwurst roch und die Spieler auch ab und an mit den Fans ein Bier tranken, trauerte er nach. Nicht nur er.