Hertha vor dem Europa-Endspiel: Personelle Notsituation als Glücksfall

Wenn im Frühsommer die Sonnenstrahlen an wärmender Kraft gewinnen, sprießt auf Deutschlands Profirasenplätzen die Zukunft des Fußballs. Oft beginnen Profikarrieren im Mai an den finalen Spieltagen.

Es ist die Saisonphase, in der meist die ganz große Gefahr gebannt und der ganz große Erfolg außer Sicht ist, und die Bundesligamanager längst wissen, wer die Zu- und Abgänge sind. Stammspieler werden daher zu Reservisten.

Dann beginnt alle Jahre wieder die Bewährungszeit der Talente. Ein Kurzeinsatz hier, gar ein Startelfeinsatz dort. Die Stars von morgen dürfen reinschnuppern in volle Stadien, damit sie sich in der nächsten Vorbereitung mit noch mehr Elan um einen dauerhaften Kaderplatz bewerben.

"Sie kennen die Automatismen"

Dennoch ist die Sache bei Hertha BSC ungewöhnlich. Denn es geht für die Berliner am Sonnabend in Darmstadt (15.30 Uhr) noch um zu viel, als dass die Gegenwart der Zukunft geopfert werden könnte. "Dieses Mal ist es eine Notsituation", sagt Trainer Pal Dardai. "Es ist gut, dass wir das ganze Jahr so viele junge Spieler mittrainieren lassen. Sie kennen die Automatismen."

Vielleicht sei die aus Verletzungen und Sperren resultierende Notlage gar ein Glücksfall, da die Jugendlichen einfach froh sind zu spielen, und nicht so sehr über die auf dem Spiel stehende Europa League nachdenken. Jordan Torunarigha, 19 Jahre alt, also in der Innenverteidigung neben Florian Baak, 18. "Wir haben noch nichts erreicht und geben deswegen alles", beruhigt Baak die Nerven. Vorne steht der 18-jährige Mittelfeldspieler Arne Maier vor seinem Debüt, laut Dardai "das größte deutsche Talent".

Aber abseits der offiziellen Worte weiß Dardai natürlich, dass gerade in der Abwehr Erfahrung wichtiger ist als Unbekümmertheit, und deshalb ist der noch größere Glücksfall, dass Marvin Plattenhardt nach zweiwöchiger und Niklas Stark nach vierwöchiger Verletzungspause zurück im Kader sind. 

In der Natur fällt ja das, was zu früh sprießt, im Mai oft den Eisheiligen zum Opfer. Erst nach der kalten Sophie sind die Entwicklungsbedingungen stabil. Das wäre kommenden Montag.