Pal Dardai freut sich stets über ambitionierte Ziele. Sieben Punkte wollte ihm seine Mannschaft aus den letzten drei Bundesligaspielen eigentlich schenken. Eigentlich. Das kann sich der Trainer von Hertha BSC nach dem unnötigen 1:2 am Wochenende beim VfB Stuttgart aber schon wieder abschminken. Dardai wäre nicht Dardai, wenn er nicht einen Haken dahinter gemacht hätte und schon wieder vorausblickt. Sein Wunsch klingt nun aber mehr wie eine Forderung an sein Team: „Ich will vier Punkte!“

Manager Michael Preetz würde das „sofort unterschreiben“. Dann würde Hertha mit komfortablen 27 Punkten in die Winterpause gehen und hätte nach Preetz’ Ansicht eine „sehr ordentliche Hinrunde“ gespielt.

Duda könnte für Darida auflaufen

Bevor die vier Punkte aber wirklich unter dem Weihnachtsbaum liegen, müssen die Blau-Weißen heute Abend (20.30 Uhr) gegen den FC Augsburg und vier Tage später zum Jahresabschluss bei Bayer Leverkusen (15.30 Uhr) eine Trotzreaktion zeigen. Gegen Stuttgart bemängelten Dardai und Preetz unisono die fehlende Gier. Mit einer anderen Einstellung sei durchaus „mehr möglich gewesen“ (Preetz). „Nach dem 1:0 in Stuttgart waren wir zu naiv, haben uns unterbewusst zu wohlgefühlt“, findet Dardai. „Das darf uns gegen Augsburg nicht passieren. Wir müssen jetzt eine Antwort finden!“ Ganz so einfach dürfte die passende Antwort heute Abend gegen die Fuggerstädter, gegen die Hertha vor heimischer Kulisse übrigens noch nie verloren hat, aber nicht gefunden werden. Schließlich erwartet man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nur um die 30000 Zuschauer. So wenige kamen zuletzt im Februar beim 0:2 gegen Mainz (30908). Nicht gerade eine Motivationsspritze.

Keine Verstärkungen im Winter

Für die Minuskulisse gibt es gleich mehrere Gründe: Der FCA bringt unter der Woche kaum Fans mit, Hertha überzeugte zuletzt nicht wirklich und im Dezember gibt es sicher schönere Aufenthaltsorte, als abends in der kalten Betonschüssel zu sitzen. Außerdem: Auf Tore können sich die Fans nicht gerade freuen. In den letzten zehn Duellen zwischen Berlin und Augsburg fielen nur elf Treffer. Beinahe flehend appelliert Dardai: „Ich weiß, es ist eine schwierige Zeit und kalt, aber wir brauchen die Fans, weil es für uns ein wichtiges Spiel ist. Wir hoffen trotzdem auf Unterstützung!“

Personell geht Hertha weiterhin am Stock. Neben den Langzeitausfällen müssen wohl auch Arne Maier (Infekt) und Salomon Kalou (Risswunde) noch pausieren. „Es gibt keine gute Nachrichten“, meint Dardai. „Es sind sogar noch viele, viele Kleinigkeiten, die mit Verletzungen zu tun haben. Die Spieler müssen beißen.“ Gut möglich, dass Ondrej Duda für den gegen Stuttgart schwachen Vladimir Darida spielt. „Ondrej hat sein Formloch hinter sich“, findet Dardai. „Er könnte als Sechser oder Zehner auflaufen.“

Trotz der Verletztenmisere schließt Preetz indes Winterverstärkungen aus: „Die Verletzten im Lazarett machen Fortschritte. Wir gehen davon aus, dass wir in der ersten Januarwoche hoffentlich alle zurück im Training haben werden. Insofern wird es keine Auswirkungen auf die Kaderplanung im Winter haben.“