BerlinDie nackten Zahlen verheißen nichts Gutes. Vier Punkte nach sechs Spielen bedeuten den schwächsten Saisonstart seit elf Jahren. Dazu 13 Gegentore – mehr hatte Hertha BSC in der Bundesliga die vergangenen 30 Jahre nicht hinnehmen müssen. Ein Zustand, der Michael Preetz dennoch nicht in Alarmbereitschaft versetzt. „Nicht vergleichbar“, nannte Herthas Manager die aktuelle Situation mit der Saison 2009/10, als die Blau-Weißen erst Trainer Lucien Favre entließen und dann abstiegen.

Tatsächlich gibt es genügend Gründe, warum man in Westend vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg am Sonnabendnachmittag nicht den Kopf in den Sand steckt. Nach dem Auftaktsieg in Bremen und den schwachen und verlorenen Heimspielen gegen Frankfurt und Stuttgart zeigte das Team von Cheftrainer Bruno Labbadia gute bis sehr gute Auftritte bei den knappen Niederlagen gegen die Spitzenteams aus München und Leipzig sowie zuletzt beim 1:1 gegen den bisher ungeschlagenen VfL Wolfsburg. „Das waren Leistungen, die uns positiv stimmen“, sagte Preetz zur sportlichen Entwicklung, bevor er sich den derzeit weitaus unangenehmeren Fragen zum Wirbel um das Geld von Investor Lars Windhorst stellte.

Sorgen, dass die Posse um Windhorsts noch ausstehende 100-Millionen-Überweisung seine Mannschaft ablenken könnte, hat Labbadia nicht. „Das darf das Team nicht beeinflussen. Wir machen unseren Job“, erklärte Herthas Übungsleiter. Gleichwohl weiß er, dass seine Spieler bisher nicht den gewünschten Ertrag eingespielt haben. Man habe definitiv zu wenig Ergebnisse eingefahren. „Aber“, sagte der ehemalige Torjäger und gab sich zuversichtlich: „Wenn man dranbleibt, ist es eine Frage der Zeit. Und wir gehen keinen Schritt zurück.“

Startelf-Debüt für Matteo Guendouzi

Damit er nach fast zwei Monaten wieder über einen Sieg seiner Mannschaft jubeln kann, habe er zusammen mit seinem Trainerteam und seinen Spielern unter der Woche „vor allem an unseren Automatismen gearbeitet“. Trotz des spielerischen Aufschwungs sieht Labbadia weiter Bedarf, damit am Sonnabend Zählbares dabei rausspringt: „Wir brauchen Lösungen mit dem Ball, müssen aber in der Defensive hellwach sein.“ Denn der FC Augsburg steht derzeit dort, wo Hertha mindestens hinwill. Auf Tabellenplatz sechs – auch, weil sie bisher aus einer stabilen Defensive zielstrebige und vor allem sehr effektive Konter starteten und so bereits zehn Punkte sammelten. „Sie stehen zu Recht da oben“, lobte Labbadia die Arbeit seines Kollegen Heiko Herrlich und warnte vor allem vor dem Umschaltspiel der bayerischen Schwaben.

Damit dieses gegen Hertha nicht zur Entfaltung kommt, baut Labbadia auf Matteo Guendouzi. Der Franzose, für ein Jahr ohne Kaufoption vom FC Arsenal ausgeliehen, wird für seinen am Knie verletzten Landsmann Lucas Tousart in die Startelf rücken und soll bei den Fuggerstädtern an die Leistung anknüpfen, die er gegen Wolfsburg über 30 Minuten zeigte. Ohne viel Spielpraxis beruhigte der 21-Jährige das eigene Spiel, indem er durch sein gutes Stellungspiel im Mittelfeld permanent anspielbar war und zudem Akzente in der Offensive setzte. Sorgt Guendouzi dafür, dass sich Hertha endlich belohnt, verspricht sich Labbadia den nächsten Entwicklungsschritt seines Teams. „Das würde uns mehr Selbstvertrauen und mehr Sicherheit geben, vor allem für das Spiel mit dem Ball, sodass wir mehr Mut haben, auch unter Druck aufzudrehen“, erklärte er. 

Noch wichtiger erscheint vor der Länderspielpause allerdings ein Erfolg mit Blick auf die Tabelle. Mit einem Zahltag und drei Punkten fürs Konto würde Hertha den Anschluss nicht verlieren – unabhängig davon, wann Windhorst seine versprochene Tranche zahlt.