Optisch hat sich Arne Maier, 19, in den vergangenen anderthalb Jahren wenig verändert. Er trägt wie bei seinem Profidebüt im Mai 2017 noch eine feste Spange, die ihm wegen einer Fehlstellung seiner Zähne vor Rückenschmerzen schützt. Sportlich hat Herthas Mittelfeldmann den wohl schwersten Schritt zum Profi gemeistert: Stammspieler in der Bundesliga. Ein Gespräch über seinen rasanten Aufstieg, ein Trikot von Julian Draxler und die Vergleiche mit Toni Kroos.

Herr Maier, was hat sich seit Ihrem Bundesligadebüt verändert?

Es ist sehr viel passiert. Ich bin erwachsener geworden. Im Vergleich zur vergangenen Saison habe ich bisher keine Minute verpasst. Im Vorjahr war ich noch der Junge, der in die Mannschaft gerutscht ist. Jetzt bin ich ein fester Bestandteil des Teams. Die Anerkennung ist anders.

Es gibt Vergleiche mit Toni Kroos.

Es ist schön, so etwas zu hören. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport. Außerdem gibt es keine Garantien, dass das alles auch eintritt. Man muss Tag für Tag hart arbeiten.

Was haben Sie sich eigentlich von Ihrem ersten Profigehalt gekauft?

Ich habe meine ganze Familie zum Essen in den China Club am Brandenburger Tor eingeladen. Ein Fahrservice holte meine Eltern zu Hause in Ludwigsfelde ab, damit sie etwas trinken konnten.

Trikot von Julian Draxler 

Ihr Vater soll Ihr schärfster Kritiker sein.

Das stimmt. Er sagt immer noch ab und zu etwas. Aber mittlerweile meckert er nicht mehr so viel wie früher.

Ihr Vorbild ist Julian Draxler von Paris St. Germain. Warum?

Ich bewundere vor allem seine Ruhe am Ball. Damals, als er auf Schalke spielte, hat mir das sehr gefallen. Seitdem verfolge ich, was er macht. Ich habe sogar ein Trikot von ihm zu Hause hängen.

Ein Lieblingsspieler aus Gelsenkirchen? Darf man das als Herthaner?

Ich habe ja damals als Junge nicht so auf den Verein geachtet.

Stimmt es, dass Sie als kleiner Junge selbst in der Ostkurve standen?

Nicht in der Kurve, aber als ich bei Hertha in der Jugend spielte, war ich ab und zu im Stadion. Meistens hatten wir aber selbst Turniere an den Wochenenden.

Ihr Teamkollege Valentino Lazaro hat zuletzt gefordert, dass Sie das dreckige Spiel lernen sollten.

Da hat er recht. Er hatte da eine Szene im Kopf, die zu m Gegentor führte. Ich hätte den Gegenspieler damals vielleicht umhauen müssen.

Bundesliga-Tor fehlt noch

Wie würden Sie Ihren Spielstil bezeichnen?

Bei mir geht es nicht um die Härte. Mein Spiel zeichnet sich durch Ruhe am Ball und Übersicht aus. Ich versuche, das Spiel zu machen und so oft wie möglich an den Ball zu kommen.

Also doch wie Toni Kroos?

Da fehlt noch eine ganze Menge.

Am Sonnabend geht es gegen Frankfurt, das ist ein besonders offensives und physisch starkes Team.

Sie haben vor der Niederlage gegen Wolfsburg fast alles gewonnen. Besonders im Angriff haben sie eine überragende Qualität. Es wird ein spannendes Spiel. Wenn wir aber das abrufen, was wir können und was wir immer im Training zeigen, dann haben wir am Ende die Nase vorne.

Erst recht, wenn Sie Ihr erstes Bundesligator erzielen.

Das wird schon irgendwann fallen. Mir reicht es aber, wenn die Mannschaft gewinnt.

Das Gespräch führten Patrick Berger und Sebastian Schmitt.