Ante Covic nimmt die beiden Treppenaufsätze hinauf aufs Podium mit Schwung. Der 43 Jahre alte Trainer  setzt sich danach bei der obligatorischen Pressekonferenz von Hertha BSC neben Manager Michael Preetz, wo seit einigen Wochen sein neuer Stammplatz ist. Nur noch wenige Stunden bleiben ihm bis zu seinem Debüt als Cheftrainer in der  Bundesliga.

Man merkt dem in Berlin geborenen Kroaten seine Freude an, bald auf der ganz großen Bühne eine Rolle zu spielen. Covic hat sein lausbubenhaftes Lächeln aufgesetzt, das ihn einst schon als Profi charakterisierte. Ob er sehr nervös sei, wird er gefragt. „Nein“, sagt der einstige Flügelflitzer, „ich empfinde viel größere Vorfreude  als etwa Nervosität. Wir haben uns ja jetzt sechs Wochen sehr gut vorbereitet.“

Premiere in Stuttgart

Schon am Freitagabend (20.30 Uhr/live im ZDF) erwartet der FC Bayern sein Team  zum Auftaktspiel der neuen  Saison. „Das wird auch für Ante ein ganz großer Einstieg“, sagt Manager Preetz, „das Duell wird in 200 Länder im Fernsehen übertragen. Auch unser Verein wird im Fokus stehen.“ Ob es ein Vorteil  ist, schon am ersten Spieltag beim Meister   antreten zu müssen?  „Das wird sich zeigen. Immerhin spielen wir gegen die beste Mannschaft Deutschlands. Aber ich bin optimistisch“, sagt Covic, „wir wollen variabel auftreten.“ Covic antwortet freundlich und auf viele Fragen auch ausführlich.

Er weiß natürlich genau, dass sein Team längst nicht so viel Ballbesitz haben wird wie beim gelungenen Auftritt im DFB-Pokal beim Regionalligisten VfB Eichstätt (5:1). „Wir sind nicht blauäugig, ein gutes Umkehrspiel wird wichtig sein.“ Verzichten muss der Trainer auf die verletzten Dedryck Boyata, Marvin Plattenhardt, Arne Maier und Javairo Dilrosun.
Für Covic ist es bald das zweite große Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse.

Welch ein Einstand!

Als junger Profi war er in der Saison 1994/95 beim VfB Stuttgart unter Vertrag und dort erst einmal Reservist. Aber am 5. Spieltag schlug seine Stunde im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, dass der VfB mit 4:1 gewann. Trainer Jürgen Röber wechselte den damals 19-Jährigen  nach 75 Minuten für Axel Kruse ein. Covic traf zum 3:1 und 4:1 nach 82 und 87 Minuten. Welch ein Einstand in der Bundesliga!

„Ja“, sagt Covic heute, „ich habe die beiden Tore nach schönen Einzelaktionen erzielt. Einmal habe ich noch Frankfurts Torwart Andy Köpke elegant umspielt.“ Covic grinst, als er seine Erinnerungen preisgibt. Es ist auch kurios, dass an dieser Aktion mit Trainer Röber und Stürmer Kruse spätere Weggefährten von Covic bei Hertha BSC im Spiel waren.

In neuen Sphären

Als Profi schoss Covic Hertha einst in neue Sphären. Im Mai 1997, beim entscheidenden Duell um den Aufstieg in die   Bundesliga, als man  2:1 gegen die SpVgg Unterhaching gewann, trafen Covic und Michel Dinzey für die Berliner. Und im ersten Bundesligaspiel im August 1997 war Covic der Torschütze zum 1:1-Endstand gegen Borussia Dortmund. „Nach seinem Treffer, den er euphorisch bejubelte, mussten wir ihn beinahe mit dem Lasso einfangen“, erinnert sich  Röber.
Covic aber will nicht mehr so viel zurückschauen.

Als Trainer, wo er seit Jahren sehr ernsthaft und seriös arbeitet, hat er sich Anerkennung  bei der U23 von Hertha in der Regionalliga erworben, führte die Mannschaft, die immer  von   hohen personellen Wechseln betroffen war, auf die Plätze 12, 6, 10, 9, 8 und 4. Dabei musste er stets ein Team bilden aus nachdrängenden jungen Spielern aus der U19, aus großen Talenten, die an der Stufe zum Profidasein standen und aus gestandenen Profis, die nach Verletzungen ihre Form in Liga vier suchten.

Mit Selbstvertrauen nach München

Dort ließ er meist  mutigen Offensivfußball spielen. Das soll und will er auch als Chef bei den Profis versuchen. Er sagt jedenfalls: „Wir fahren mit viel Selbstvertrauen nach München. Wir müssen alle ans Maximum gehen, aber das ist bei den Bayern noch keine Garantie, um auch erfolgreich zu sein.“

Angesprochen auf das Saisonziel schauten sich Preetz und Covic einige Sekunden auf dem Podium an. Der Manager antwortete zuerst: „Wir wollen uns gegenüber der Vorsaison, also Platz 11, verbessern und idealerweise in der ersten Tabellenhälfte einlaufen. Wir wollen zeigen, dass wir in Berlin die Nummer eins sind.“ Covic schickte eine Kampfansage hinterher: „Und beide Derbys gegen Union gewinnen.“ Dann zeigt er wieder sein Lausbubenlächeln.
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