Berlin  - Bruno Labbadia ließ den Abend entspannt ausklingen. Das souveräne 3:0 (1:0) beim FC Augsburg sorgte bei Hertha BSC und seinem Cheftrainer für Erleichterung, die auch noch am Sonntagvormittag spürbar war. „Die Mannschaft hat diesen Sieg gebraucht“, gestand Labbadia nach zuletzt fünf sieglosen Spielen. Endlich hätten sich seine Spieler für die Leistungen der vergangenen Wochen belohnt. „Wir haben das gesehen, was wir schon länger empfinden“, erklärte der 54-Jährige. Vor allem sei es aber die Art und Weise, wie sein Team den zweiten Saisonsieg einfuhr, die ihn nach der Rückkehr mit Glück erfüllte: „Das habe ich mir zu Hause gedacht: Okay, das ist der Fußball, den ich mir vorstelle.“

Tatsächlich zeigten seine Schützlinge nach der turbulenten Woche und den erneut zu Tage getretenen Differenzen mit Investor Lars Windhorst eine souveräne, vor allem überraschend reife Leistung gegen überwiegend destruktive Gastgeber. „Wir waren dominant, hatten viel Ballbesitz und waren vor allem geduldig“, lobte Labbadia sein Team, das sich auch durch das Augsburger Abwehrbollwerk nicht aus der Ruhe bringen ließ. „Wenn man da hektisch wird, spielt man dem Gegner in die Karten“, erklärte er. Weil sich die Herthaner eben dazu nicht hinreißen ließen, belohnten Matheus Cunha per Foulelfmeter (44.), Dodi Lukekbaio (52.) und der eingewechselte Krzysztof Piatek (86.) ihr Team für den konzentrierten Auftritt nach zäher Anfangsphase. Das Trio bescherte Labbadia zudem den Einzug in einen illustren Kreis: Je 100 Bundesligasiege als Trainer und Spieler erreichten vor ihm nur sechs andere, darunter die früheren Hertha-Trainer Jürgen Röber und Friedhelm Funkel. Für Labbadia nur eine Randnotiz. Vielmehr ziehe er seine Befriedigung daraus, „was meine Mannschaft umsetzt“.

Daran, was seine Truppe nach den Investitionen der vergangenen zwei Transferphasen mittlerweile leisten kann, hatte Labbadia trotz der bisher geringen Punkteausbeute keinen Zweifel. Die Spiele in Leipzig (1:2) und gegen Wolfsburg (1:1) seien gut bis stark gewesen, der zweite Saisonsieg somit eine „logische Konsequenz“. Naturgemäß sieht der Hesse trotz des Entwicklungsschritts Verbesserungsbedarf:„ Wir haben dennoch noch viel zu tun.“ Der Sieg tue Hertha aber insbesondere gut, „weil du solche Erfolgserlebnisse für die Fortentwicklung einer Mannschaft brauchst“. Gelingt diese, erhoffe er sich dadurch noch mehr Überzeugung in den nächsten Spielen.

Piatek muss Cordoba ersetzen

Dabei wird Hertha allerdings auf Jhon Cordoba verzichten müssen. Der Kolumbianer, am letzten Tag der Wechselperiode vom 1. FC Köln nach Berlin transferiert und bisher unumstrittener Stürmer Nummer eins, zog sich durch den Tritt von Neu-Nationalspieler Felix Uduokhai eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk zu, als er den Strafstoß herausholte. „Das ist eine Verletzung, die reinhaut“, erklärte Labbadia, der damit rechnet, dass der bullige Mittelstürmer mindestens bis zum Jahresende nicht mehr zur Verfügung steht. Cordobas Ausfall sei dafür die Chance für Piatek: „Kris ist nun erste Wahl. Wir brauchen ihn.“ Dass der vom AC Mailand verpflichtete Stürmer mit seiner Rolle als Einwechselspieler unzufrieden ist, ist für den ehemaligen Angreifer Labbadia verständlich: „Er will Tore schießen.“ Umso erfreulicher aus Herthas Sicht, dass Piatek nach seiner Einwechslung genau das tat. Der bisher häufig wie ein Fremdkörper wirkende Pole war sofort zur Stelle, traf zudem noch den Pfosten und legte auch Lukebakios Treffer mit einer scharfen Flanke auf. „Das hat ihm gutgetan. Ich hoffe, dass er das mitnimmt in die nächsten Wochen“, freute sich Labbadia.

Weniger glücklich ist Herthas Trainer mit der erneuten Länderspielpause. Bis zu 14 Spieler reisen zu ihren Nationalteams. Viele kehren erst nächsten Donnerstag zurück und damit lediglich zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Es wird also in den kommenden zehn Tagen übersichtlich auf dem Schenckendorffplatz. „Bei so vielen Abgängen und Zugängen, die wir hatten“, erklärte Labbadia , „ist jede Unterbrechung für uns ein Stück weit Gift - aber jetzt versüßt mit einem Sieg.“