Herthas Stadionneubau im Olympiapark droht zu scheitern: Ist ein neuer Standort nötig?

Berlin - Wo ein Sieg ist, ist die Niederlage oft nicht weit. Das gilt für den Sport – und darüber hinaus. Am Tag, als der Name des Eisbärchens aus dem Tierpark bekanntwurde – „Hertha“ –, wurde auch klar, wer der Verlierer in der Debatte um ein neues Fußballstadion in der Stadt ist: ebenfalls Hertha.

Denn die Pläne eines Stadionbaus im Olympiapark neben dem Olympiastadion scheitern vielleicht am Widerstand der „Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892“. Sie hätte Hertha sechs Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Wohnungen in der Sportforumstraße verkaufen müssen, um das Stadion möglich zu machen. Das will sie nun nicht.

Der Fußballbundesligist wollte die Häuser kaufen, abreißen und an anderer Stelle neu bauen. Doch die Genossenschaft teilte mit: „Wir sind mit Ablauf des 31. März nicht länger bereit, unsere Häuser an Hertha BSC zu veräußern.“ Auf dieses Ultimatum habe man stets hingewiesen, heißt es in einem Schreiben des Vorstands. Der RBB hatte zuerst über das Scheitern der Pläne berichtet.

Hertha wirft dem Berliner Senat Untätigkeit vor

In einer Stellungnahme zeigt sich der Profiklub unbeeindruckt. Die zu Ende gegangene Frist „rührt in keiner Weise an unseren Plänen, ab 2025 in einer eigenen Fußballarena zu spielen“, heißt es in einer Mitteilung. Ebenso bleibe es der Wunsch, „diese Arena in Berlin zu bauen, idealerweise im Olympiapark“.

Doch wie das möglich sein soll, diese Antwort bleibt der Verein zunächst schuldig. Stattdessen wirft er dem Senat Untätigkeit vor. Der Klub habe dem Land, das darüber entscheiden muss, Ersatzstandorte für die Wohnanlage vorgeschlagen.

„Trotz intensiver Bemühungen und entgegen öffentlicher Bekundungen seitens des Senats, unser Projekt und damit den Standort Berlin für Hertha BSC zu unterstützen, sind Entscheidungen der Politik bislang leider ausgeblieben“, heißt es weiter. Der von Hertha favorisierte Standort in der Nähe war aber aus Naturschutzgründen nicht realisierbar. Weitere Vorschläge wurden nicht bekannt.

Bei der Berliner Politik herrscht seit einiger Zeit Unverständnis und Enttäuschung

Es sind auch solche Schuldzuweisungen, die die Berliner Politik immer skeptischer hat werden lassen. Hatten viele Mandatsträger anfangs Verständnis für einen Auszug aus dem weitläufigen und selten ausverkauften Olympiastadion (75.000 Zuschauer) und den Bau eines privatfinanzierten kleineren Stadions unter dem Motto „steil, nah, laut“ (55.000 Zuschauer) geäußert, herrscht seit einiger Zeit Unverständnis und Enttäuschung.

Hertha habe intransparent gehandelt und die politische Tragweite fahrlässig ignoriert. Insbesondere die Zukunft des Olympiastadions, das mit Herthas Auszug nach sechs Jahrzehnten seinen Hauptmieter verlieren würde und ein öffentliches Millionengrab zu werden drohte, ist ungeklärt.

„Ein Hertha-Stadion im Olympiagelände ist nicht zu realisieren“

Dass eine Lösung nun an der Frage um 24 Wohnungen zu scheitern scheint, bessert die Lage nicht. „Wir haben Hertha immer gesagt, dass keine einzige Wohnung einem Stadionneubau zum Opfer fallen darf“, sagte Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD). Die sportpolitischen Sprecher der rot-rot-grünen Koalition sekundierten: „Ein Hertha-Stadion im Olympiagelände ist nicht zu realisieren“, steht in einer gemeinsamen Erklärung.

Nicole Ludwig (Grüne) hält den Olympiapark überhaupt für ungeeignet. Dieser solle für die Öffentlichkeit zugänglicher und nicht durch ein Stadion bebaut werden. Der FDP-Sportpolitiker Stefan Förster spricht von einem „Eigentor für Hertha BSC“, der Verein stehe vor einem selbst verschuldeten Scherbenhaufen.

AfD-Sportexperte Frank Scheermesser begrüßt die Entscheidung und sieht den Senat gefordert, „gemeinsam mit Hertha“ die Möglichkeiten zu erörtern, wie der Verein im Olympiastadion gehalten werden kann. Dieses könne mit „vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Lösungen technisch aufgerüstet und an die Bedürfnisse von Hertha angepasst werden“.

Einzig Teile der CDU haben bis zuletzt Sympathie für den Stadionneubau erkennen lassen. Sie wirft dem Senat vor, Hertha alleine gelassen zu haben.