Herthas Zugang Cunha schießt Brasilien zu Olympia

Nach seiner Rückkehr könnte er das Offensivspiel des kriselnden Hauptstadtklubs beleben. Der größte Trumpf des Stürmers ist seine Vielseitigkeit.

Berlin-Wie es um die aktuelle Form von Herthas Winterzugang Matheus Cunha bestellt ist? Nun, offensichtlich prächtig, wie sich beim kurzen Studium der Fernsehbilder von der abschließenden Partie des südamerikanischen Olympia-Qualifikationsturniers in Kolumbien alsbald zeigt. Der 20-Jährige traf dabei mit der brasilianischen U23-Auswahl auf die argentinische, erzielte am Sonntagabend (Ortszeit) beim 3:0-Erfolg seines Teams im kolumbianischen Bucaramanga zwei Treffer und wird nun in seiner Heimat als derjenige gefeiert, der die Seleção Brasileira Restritiva zu den Sommerspielen in Tokio geführt hat. Argentinien, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, hatte sich schon zuvor durch Siege gegen Kolumbien und Uruguay für das olympische Fußballturnier qualifiziert, ließ wohl auch deshalb die letzte Konsequenz missen.

Herthas Winterzugang Cunha weist im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft eine beachtliche Bilanz auf.
Herthas Winterzugang Cunha weist im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft eine beachtliche Bilanz auf.Fernando Vergara/AP

Bei seinem ersten Tor stürzte sich Cunha, für den der Hauptstadtklub im Januar eine Ablösesumme in Höhe von 18 Millionen Euro an RB Leipzig gezahlt hatte, geistesgegenwärtig in ein missglücktes Rückspiel eines argentinischen Verteidigers, lupfte den Ball über den herauseilenden Keeper, um im Nachschuss zu vollenden. Bei seinem zweiten zog er aus halbrechter Position mit seinem rechten Fuß ab, hatte dabei etwas Glück, weil sein Schuss erst über ein gegnerisches Abwehrbein den Weg ins Netz fand. Cunha steigerte damit seine ohnehin schon hohe Trefferquote im Trikot der U23-Auswahl auf 14 Tore in 16 Spielen.

Hertha ist ein Transfercoup gelungen

So gesehen scheint Hertha BSC in der vergangenen Transferperiode ein wahrer Coup gelungen zu sein. Und vielleicht ist der von einem Erfolgserlebnis getragene Angreifer ja tatsächlich der Mann, der bei den Blau-Weißen eine Trendwende herbeiführen kann. Als wendiger Zuarbeiter von Krzysztof Piatek in einem Zwei-Mann-Sturm oder als Flügelstürmer in einem Drei-Mann-Sturm, sogar ein Einsatz als Zehner, der dem Mangel an Kreativität im Mittelfeld der Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann entgegenwirkt, scheint aufgrund seiner spielerischen Fähigkeiten denkbar. Jedenfalls decken sich die Eindrücke, die man von Cunha in den vergangenen Tagen gewonnen hat, schon mal mit der Einschätzung von Hertha-Manager Michael Preetz, der nach Abwicklung des Transfers Folgendes zum Besten gegeben hatte: „Matheus ist ein junger Spieler mit enormen Potenzial, der trotzdem schon seine Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Er kann im Zentrum und hängend spielen, damit macht er unser Angriffsspiel variabler.“

Ob sich Cunha schon beim Auswärtsspiel am kommenden Sonnabend in Paderborn daran versuchen darf, ist allerdings noch ungewiss. Ja, es gibt dem Anschein nach noch nicht einmal einen Termin für seine Ankunft in Berlin.