Grischa Prömel ist froh, wieder für Union auf dem Rasen stehen zu können.
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Berlin-KöpenickNicht einmal den Bruchteil einer Sekunde muss Grischa Prömel seine Antwort auf die Frage überdenken, ob es während seiner fünfmonatigen Verletzungspause einen Moment gab, in dem er Sorgen um seine Karriere hatte. „Nein“, antwortet der Mittelfeldspieler des 1. FC Union. Mit leiser, etwas trotziger Stimme und ohne weitere Erklärung.

Doch hinter dem 25-Jährigen liegt ein beispielloser Leidensweg. Während seine Mannschaft in der Bundesliga für Furore sorgte, suchte Prömel deutschlandweit verschiedene Ärzte und Experten auf, um eine Erklärung für seine Schmerzen in beiden Patellasehnen und vor allem eine Therapie zu erhalten. Er versuchte alles, von Belastungssteuerung über Spritzen bis hin zu einer Eigenbluttherapie in der Charité.

Richtig geholfen hat nichts, eher von allem etwas. „Ich habe von jeder Behandlung etwas mitgenommen. Aber ich habe auch ein gutes Gefühl für meinen Körper bekommen.“ Mittlerweile kann Prömel wieder schmerzfrei trainieren, hat seine Routine als Profisportler aber merklich verändert. „Ich kümmere mich mehr um meinen Körper, stehe ständig im Austausch mit den Physios. Ich dehne mich sogar vor dem Schlafengehen, habe den Umfang meines Krafttrainings deutlich erhöht.“

Das stärkt die Muskulatur, aber auch den Kopf. Denn bis heute gibt es keine Erklärung für die Schmerzen, die den Abräumer über Monate plagten. Und Prömel macht kein Geheimnis daraus, wie sehr ihn die Zeit belastet hat, in der er nicht auf dem Rasen stehen konnte. Ausgerechnet jetzt, wenn Union im Oberhaus spielt. „Das war schon doppelt bitter. All die Jahre habe ich darauf hingearbeitet, in der Bundesliga zu spielen“, sagt der 25-Jährige, der, anders als mancher Sportlerkollege, während seiner Verletzungspause nicht das Gefühl hatte, dass der Fußball für ihn an elementarer Bedeutung verliert.

Bei den Bayern im Gästeblock

„Ich habe eher festgestellt, dass ich den Fußball wirklich brauche. Es war unglaublich schwer, ständig auf der Tribüne zu sitzen: morgens als Erster aufs Vereinsgelände zu kommen, abends als Letzter zu gehen, und trotzdem nicht zur Mannschaft zu gehören.“ Daher entschied er sich im Oktober, das Spiel beim FC Bayern aus dem Gästeblock zu verfolgen. „Ich hatte das Gefühl, den Jungs auf dem Rasen von da mehr helfen zu können, als auf der Tribüne.“

Mittlerweile konnte Prömel in den Partien gegen Dortmund und Bremen für ein paar Minuten spielen. Allerdings wird er nach der langen Leidenszeit noch Zeit brauchen, um wieder auf seinem Leistungshöhepunkt zu sein.