Ondrej Duda hat sich in England durchgebissen, steht nach seiner Leihe zu Norwich City vor einer Rückkehr zu Hertha BSC.
Foto: Imago Images

BerlinDie Situation ist skurril. Sollte Ondrej Duda mit Norwich City absteigen, kehrt Herthas Leihgabe zurück nach Berlin. Allerdings nicht erst zum Ende der Premier-League-Saison, die sich aufgrund der längeren Corona-Pause bis Ende Juli zieht, sondern sofort. Eine solche Klausel soll Herthas Manager Michael Preetz in Dudas ursprünglich bis 30. Juni laufenden Leihvertrag nachträglich verankert haben. Da der Klub aus dem Osten Englands als Tabellenletzter vier Spieltage vor Schluss zehn Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz liegt, könnte Dudas Zeit auf der Insel bereits an diesem Sonnabend vorbei sein. Die Situation ist also klar. Die Frage, die sich alle Blau-Weißen stellen, ist vielmehr: Kehrt Duda als Hoffnungsträger oder Sorgenkind zurück?

„Wir planen zu 100 Prozent mit Ondrej. Wie sehr er einer Mannschaft, die eine funktionierende Achse hat, helfen kann, hat er gezeigt“, lobt Preetz. Dabei dürfte der 52-Jährige wohl an die Vorsaison denken, als der Slowake mit elf Toren, sechs Vorlagen und vor allem seinem Spielverständnis Hertha auf ein neues Level hievte. Vergessen waren die beiden schwachen, auch von Verletzungen geprägten ersten Jahre, sodass man Dudas ohnehin gut dotierten Vertrag in Westend sogar vorzeitig verlängerte.

Dass sich der 25-Jährige keine sechs Monate später zum bereits damaligen Tabellenletzten Englands ausliehen ließ, lag vor allem am Frust, den er unter Jürgen Klinsmann schob. „Er hatte im Winter auf die personelle Konstellation, die wir auf der Trainerposition hatten, keine Lust mehr, weil er für sich da keine Perspektive sah. Lust auf Hertha hatte er immer“, erklärt Preetz Dudas Haltung gegenüber Labbadias Vorgänger. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich der Nationalspieler bereits unter Ante Covic schwertat und seinem Stammplatz schon vor Klinsmanns Ankunft verloren hatte.

Den hat Duda in Norwich unter dem deutschen Trainer Daniel Farke sicher. Zwar gelangen ihm in zwölf Spielen weder Tore noch Vorlagen. Dafür sammelte er wichtige, vor allem regelmäßige Spielpraxis in der stärksten Liga der Welt. An der Carrow Road, so ist zu hören, sei man trotz des bevorstehenden Abstiegs sehr angetan von Duda gewesen. 

Nun wird sich Duda schon bald bei Hertha unter Labbadia beweisen müssen. Preetz’ Schachzug im Leihvertrag erweist sich angesichts der vielen Unwägbarkeiten in einer dynamischen Pandemie als geschickt: Statt bis zum Saisonende in England zu kicken und erst in den Urlaub zu gehen, wenn Hertha bereits in die Vorbereitung startet, wird Duda nun von Beginn an dabei sein. 

Spannend wird, welche Rolle ihm unter Labbadia zukommt. Auf einen klassischen Spielmacher, wie ihn Duda verkörpert, legte der Hesse bei seinen bisherigen Trainerstationen nicht viel Wert. Dazu ist die Konkurrenz im Angriff durch die Winter-Zugänge Krzysztof Piątek und Matheus Cunha deutlich größer geworden. Neben der bereits erwähnten Körperlichkeit muss Duda auch das Vertrauen des Trainers spüren, um seine besonderen Fähigkeiten abzurufen. Immerhin hier scheint sich die Situation für ihn deutlich verbessert zu haben. Labbadia legt, anders als Klinsmann, viel Wert auf interne Kommunikation.