Louis van Gaal denkt schon mal drüber nach, ob er Bondscoach werden will, auch wenn ihn noch niemand gefragt hat.
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BerlinDie Niederländer sind schon ein interessantes Völkchen. Keine Angst, es geht jetzt nicht um Campingwagen auf deutschen Autobahnen und Urlaub in der Eifel oder Coffeeshops in Amsterdam. Es geht um Fußball, aber auch hier besteht kein Grund zur Sorge; behandelt wird nicht die Frage, warum die Niederländer noch keinen nennenswerten Titel errungen haben, obwohl sie geradezu traditionell einen entzückenden Fußball spielen. Na ja, indirekt spielt das vielleicht schon eine Rolle, denn die Rede ist vom passenden Nationaltrainer und wie er gefunden wird.

Bondscoach wird dieser Posten genannt, den zuletzt Ronald Koeman bekleidet hat. Jetzt wird ein Nachfolger für ihn gesucht, und die Spieler suchen mit. Der Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond, der Einfachheit halber KNVB genannt, lässt die wichtigsten Nationalspieler ein Wörtchen mitreden. „Wir hatten als Spielerrat ein Treffen mit dem KNVB. Es war ein offenes und ehrliches Gespräch“, sagte Virgil van Dijk, der als Kapitän der Nationalelf einer der wichtigsten der wichtigen Spieler ist. So kurz vor der Europameisterschaft, die coronabedingt mutmaßlich nun im Sommer 2021 ausgetragen wird, muss die Wahl des Bondscoach sitzen.

Bondscoach kommt übrigens von Bund, Bundescoach, hat also nichts mit Bond und Thrillern oder so zu tun. Wobei man Ronald Koeman durchaus den James Bond des niederländischen Kickerwesens hätte nennen können, weil es unter ihm 007-mäßig zur Sache gegangen ist, actionreich und flott.

Der 57-Jährige bekämpfte die wohl größte Widersacherin des niederländischen Fußballs, die Peinlichkeit, die sich meist in Niederlagen versteckte. Am 6. Februar 2018 wurde Koeman Bondscoach und formte eine Auswahl von europäischem Spitzenformat. Eigentlich hätte er die EM-Endrunde in diesem Sommer als sportlich Verantwortlicher bestreiten sollen, doch erstens musste diese virusbedingt um ein Jahr verschoben werden, zweitens fragte unlängst der FC Barcelona an.

„Jeder vertraute Koeman, alles hat gepasst“, sagte Abwehrchef van Dijk vor den Nations-League-Spielen gegen Polen an diesem Freitag und gegen Italien am Montag. Und damit es wieder passt, ist der Kapitän an Bord, wenn gecastet wird im KNVB. Der Trainerstab soll bleiben, haben van Dijk und seine Kollegen schon mal vorab entschieden. „Wir sind sehr zufrieden.“

Der Spielerrat verrät noch nichts

Rund 30 Mitarbeiter hatte Koeman in seinem Betreuerteam. Dem Vernehmen nach will der KNVB alle halten. Nur der Chef wird ausgetauscht. Ein Traum für alle Mitarbeiter, wobei es natürlich immer auch darauf ankommt, wer am Ende der Chef wird. Dwight Lodeweges wird es wohl nicht. Er ist einer der 30 Koeman-Jünger und in der Nations League derzeit nur übergangsweise verantwortlicher Coach. „Es ist vorgesehen, dass jemand anderes kommt“, sagte Lodeweges. „Es wäre schön, wenn es so schnell wie möglich passiert.“

Chef sein ist ja manchmal ganz schön anstrengend, so ein Platz in der zweiten Reihe auch ganz nett. Am 7. Oktober kann Lodeweges dorthin zurückkehren, denn der Spielerrat ist ja auch mit ihm sehr zufrieden, wahrscheinlich ist dann aber der neue Bondscoach gefunden. Kandidaten scheint es reichlich zu geben. Die Gerüchte florieren rund um die wichtigste Personalie im niederländischen Fußball.

Zu tun hatten sie eigentlich schon alle mal mit der Elftal, der Nationalelf. Louis van Gaal legte bereits eine Initiativbewerbung vor, indem er sagte, er denke darüber nach, Bondscoach zu werden. Natürlich nur, wenn ihn der KNVB auch artig fragt. Zweimal hat van Gaal den Job ja schon gemacht. Mit 69 gehört er allerdings nicht mehr zu den Perspektivtrainern.

Wenn es danach geht, wer schon mal Bondscoach war, hat auch Frank Rijkaard eine Chance, obwohl dem 57-Jährigen die Arbeitslosigkeit nachhängt wie einst seine Spucke in Rudi Völlers Dauerwelle, will sagen: Ihm fehlt die Praxis. Ruud Gullit geht es da ähnlich. Die ehemaligen Nationalspieler Phillip Cocu und Frank de Boer werden in der niederländischen Presse als Kandidaten diskutiert, auch das Für und Wider bei Peter Bosz, wobei das Wider vor allem in einem laufenden Vertrag mit Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen besteht.

Wen wünschen sich denn nun eigentlich van Dijk und die Kollegen vom Spielerrat? Die haben schon ihre Lieblinge, ganz klar, nur verraten wollen sie noch nichts. Sie möchten sich ja nicht noch interessanter machen, als sie es ohnehin schon sind.