Zehdenick - Burkhard Bock hatte gedacht, dass seine Freunde nie erfahren würden, wer er wirklich ist. Seit mehr als vierzig Jahren im Fußball aktiv, als Spieler, Funktionär, Schiedsrichter, steht er im August dieses Jahres in einem schmucklosen Schulungsraum in der Gemeinde Sommerfeld am Stadtrand von Berlin, um zur Eröffnung der Saison zu sprechen. Vor ihm fünfzig Schiedsrichter aus dem nördlichen Brandenburg, es geht um Regeln und Spielpläne. Doch Bock ist mit seinen Gedanken nicht bei der Sache, sein Herz pocht, seine Stimme zittert. Er will sich durchringen, er möchte sich offenbaren.

Nach zwei Stunden kramt er einen Zettel hervor. Burkhard Bock hat zu Hause Stunden gebraucht, um den Text zu formulieren, er hat Zeilen verworfen und wieder hinzugefügt, er hat seine Worte laut ausgesprochen, auf seine Körperhaltung geachtet. Die Schiedsrichter in Sommerfeld schauen ihn neugierig an, als er beginnt, seinen Text vorzulesen: „Weil im Sport Fairness, Respekt, Vertrauen, Zusammenhalt und der offene Umgang miteinander so wichtig sind, möchte ich heute eine sehr persönliche Erklärung abgeben.“ Er ist konzentriert, hält den Zettel mit beiden Händen fest, blickt kaum nach oben. „Ja, ich bin schwul und ich bitte euch, diese Tatsache einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Ich bitte auch weiterhin um euer Vertrauen und einen respektvollen Umgang miteinander.“

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