Es ist noch gar nicht so lange her, da sah sich der Fußballlehrer Tim Walter zu einer eineinhalbjährigen Auszeit gezwungen. Nach seiner Entlassung beim VfB Stuttgart im Dezember 2019 war das. Walter war raus, fürs Erste nicht mehr gefragt.

Er ging also golfen. Er kochte. Er coachte nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Homeschooling zusammen mit seiner Frau, der ehemaligen Hockey-Nationalspielerin Katrin Rummer, die drei Kinder. Und er machte sich natürlich auch Gedanken über seinen Job, über die Kritik an seiner Person. Zu laut, zu impulsiv, zu schroff, ja ein Stück weit zu arrogant sei er, hieß es. Nach Gesprächen mit Freunden, aber auch nach einem Austausch mit Journalisten kam Walter allerdings zu dem Schluss, dass er sich auch bei einem neuen Engagement nicht verbiegen wolle. Kurzum: „Ich bin halt nicht 08/15.“

Inzwischen, genauer gefasst seit Sommer vergangenen Jahres, ist der 46-Jährige Trainer des Hamburger SV, wird in der Hansestadt als derjenige gefeiert, der aus einer verschreckten Zweitligamannschaft eine zweikampfstarke Einheit geformt hat. Als Vorarbeiter einer Mannschaft, die am Montagabend im Volksparkstadion für die Fans den Traum von der Rückkehr in die Bundesliga wahr werden lassen kann. Die sich am vergangenen Donnerstag im Relegationshinspiel bei Hertha BSC dahingehend mit einem 1:0 einen großen Vorteil verschafft hat.

Kritik von Tim Walter am FC Bayern

Tim Walter, geboren in Bruchsal, als Amateurkicker für den ASV Durlach aktiv, studierte zunächst in Karlsruhe Sportwissenschaften, um ab dem Jahr 2006 beim Karlsruher SC im Jugendbereich als Co- und Cheftrainer unterschiedlichster Jahrgänge zahlreiche Erfolge zu erzielen. Der FC Bayern wurde auf ihn aufmerksam, zahlte im Jahr 2015 sogar 200.000 Euro Ablöse, damit sich Walter künftig um den Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters kümmere. Walter eckte in München allerdings immer wieder an, verabschiedete sich nach drei Jahren schließlich zum Zweitligisten Holstein Kiel mit der Klage, dass man in München kein ganzheitliches Konzept für die Jugendarbeit entwickelt habe.

Ein Affront, eine Frechheit war das oder eben nur die typische Reaktion eines mitunter etwas lauten, impulsiven und schroffen Typen.