Dass Rene Adler außergewöhnliche Fähigkeiten als Torhüter besitzt, ist keine Neuigkeit. Aber eine Nachricht ist es allemal, dass der neue Torwart des Hamburger SV plötzlich sogar Oliver Kahn und Jens Lehmann eint - normalerweise undenkbar. Die ehemaligen Nationaltorhüter und Erzrivalen sind tatsächlich einer Meinung, sie sehen in dem früheren Leverkusener wieder einen Mann für Bundestrainer Joachim Löw. „Schafft es der Hamburger Torwart, seine Leistung zu stabilisieren, wird er wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft“, schrieb Kahn. Lehmann sieht in Adler nach seinem „vielversprechenden Comeback“ sogar wieder einen möglichen Herausforderer für Stammkeeper Manuel Neuer.

SMS von Bierhoff

Doch der Hochgelobte bleibt bescheiden. „Ich fühle mich zwar immer noch als einen Teil der Nationalelf, aber durch meine lange Verletzungspause hat sich doch eine gewisse Distanz eingestellt“, sagt Adler. Der Kontakt zur DFB-Elf riss nie ganz ab. Hier und da schrieb Manager Oliver Bierhoff mal eine SMS. Auch Löw erkundigte sich ab und an nach seinem früheren Stammtorhüter. Das war es dann aber auch.

Seit 2010 streifte Adler das Deutschland-Trikot nicht mehr über. Doch auch van der Vaart glaubt, dass sich das schnell ändern könnte: „Er ist ein großartiger Torwart“, sagte der Niederländer, der nach dem ersten Saisonsieg gegen Dortmund zu einem 50-Meter-Sprint in Richtung des Torhüters ansetzte und ihm jubelnd in die Arme sprang. Adlers Leistungen sind tatsächlich bemerkenswert. Nach einer Patellasehnen-Operation im Sommer 2011 war der 27 Jahre alte gebürtige Leipziger überall zu finden − aber nicht mehr auf dem Rasen der Bundesliga.

Adler will Leverkusen "auffressen"

Im Krankenhaus, im Kraftraum, im Schwimmbad − Adler quälte sich für ein Comeback, trainierte bis zu acht Stunden am Tag. Und musste dabei auch noch mitansehen, wie ihm Bernd Leno den Rang als Stammkeeper bei Bayer Leverkusen ablief. Noch vor der WM 2010 galt er als klare Nummer eins, aber mit einer lädierten Rippe zerbrachen die Träume des athletischen Torhüters.

Das ist jetzt Vergangenheit. „Ich habe beim HSV so viel Spaß wie noch nie“, sagte Adler, „mir bringt es wahnsinnig großen Spaß, in Hamburg zu spielen“. Adler setzt zum Höhenflug an, sein Verein ist davon noch ein ganzes Stück entfernt. Bei Borussia Mönchengladbach muss die Elf von Trainer Thorsten Fink weiteren Boden gut machen. Sein Torwart ist überzeugt, dass dies gelingt: „Diese Mannschaft hat große Qualität. Wir müssen unsere Gegner auffressen.“ (sid/fr)