Sie haben es spannend gemacht. Doch als der Vorstand des Weltleichtathletikverbandes IAAF um den Präsidenten Sebastian Coe in Wien am Freitagnachmittag mit erheblicher Verspätung sein erwartetes Urteil verkündete, war es in mehreren Ländern längst durchgesickert: Auf unbestimmte Zeit bleiben russische Athleten aus internationalen Wettbewerben verbannt. „Die Entscheidung fiel einstimmig“, sagte der frühere englische Mittelstrecken-Olympiasieger Coe, „politische Erwägungen spielten keine Rolle. Es ist unsere Aufgabe, die sauberen Athleten zu schützen.“

Falls das Internationale Olympische Komitee sich nicht noch eine Finte einfallen lässt, bedeutet das den Ausschluss russischer Leichtathleten von Olympia in Rio. Die IAAF lässt allerdings eine Hintertür: Athleten, die sich in Systemen mit einer Nulltoleranzpolitik einer regelmäßigen Überwachung unterwerfen oder die sich im Antidopingkampf hervorgetan haben, dürfen ein Startrecht beantragen – nur nicht unter russischer Flagge.

Die Maßnahme stellt eine neue Dimension im Antidopingkampf dar. Bisher galten Sportfunktionäre als Maulhelden, wenn es darum ging, harte Sanktionen nicht nur anzudrohen, sondern tatsächlich zu verhängen. Die Strafe betrifft nun das größte Land der Welt und den Start seiner über 100 Athleten beim Sportfest der Weltjugend ausgerechnet in einer Zeit, in der die Weltlage extrem zerbrechlich scheint und zusammenschweißenden Erlebnissen der Staaten mehr Bedeutung zukommen könnte.

IAAF kämpft um Glaubwürdigkeit

Letztlich blieb der IAAF nicht viel anderes übrig, als die Russen auszuschließen. Sie kämpft um ihre eigene Glaubwürdigkeit. Die Doping- und Korruptionsaffäre um das Land hat die IAAF schwer beschädigt.

An allen Fronten standen nicht nur die Russen, sondern auch IAAF-Boss Coe schwer unter Beschuss, seit die ARD im Dezember 2014 ihren Enthüllungsfilm „Geheimsache Doping. Wie Russland seine Sieger macht“ ausgestrahlt hat. Der zeigte russische Trainer und Sportmediziner, die Athleten Dopingmittel reichten und sie zu Kuren anhielten. Er führte prominente Russen vor, die Doping zugaben und Wege kannten, trotz positiver Dopingproben nicht belangt zu werden.

Richard Pound, Chef der von der Welt-Antidoping-Agentur Wada eingesetzten Untersuchungskommission, fand alle Vorwürfe bestätigt. Der kanadische Jurist geißelte in seinem Bericht eine „systematische Dopingkultur im russischen Sport“ und sagte: „Das alles hätte nicht passieren können ohne Wissen der staatlichen Behörden.“