Leader und Torjäger: Vedad Ibisevic.
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BerlinKlar, Vedad Ibisevic ist inzwischen 35 Jahre alt, hat ein wenig an Spritzigkeit verloren, ist vielleicht auch nicht mehr in der Lage, als in vorderster Kampflinie agierender Spieler über 70, 80 Minuten hinweg das von vielen Trainern bevorzugte Pressing zu initiieren und dann auch zu tragen. Aber für ein Tor oder eine Torvorlage ist er aufgrund seiner Wettkampferfahrung und aufgrund seiner Fähigkeit zur Antizipation immer noch gut. Das hat der Bosnier auch in der vergangenen Saison hinlänglich bewiesen. 

Siebenmal durfte er in der Spielzeit 2019/21 im Trikot von Hertha BSC über einen persönlichen Torerfolg jubeln, war nach der Corona-Pause unter Trainer Bruno Labbadia neunmal im Einsatz, gar siebenmal als Startelfspieler, und wurde von Labbadia mitunter in höchsten Tönen gelobt. „Vedo war der Leader, den wir gebraucht haben“, sagte Labbadia, um aber im gleichen Atemzug Folgendes zum Besten zu geben: „Die andere Frage ist: Wo wollen wir hin? Und wie gehen wir den Weg? Das sind einfach Dinge, die wir ganz offen mit ihm diskutieren.“

Ob man den Austausch zwischen Trainer, Spieler und Manager Michael Preetz dann tatsächlich als Diskussion bezeichnen kann? Sei’s drum. Fakt ist, dass der Leader und ehemalige Teamkapitän nach fünf Jahren in Blau und Weiß wohl keine Zukunft mehr beim Hauptstadtklub hat. Im Interview mit dem Kicker erklärte Preetz jedenfalls, dass man den Routinier bereits darüber informiert habe, „dass wir ihm im Moment kein neues Angebot unterbreiten werden“. Mit einer kleinen Einschränkung, die der Kaderplaner sogleich anfügte: „Wir halten uns das aber offen.“

Nun ist es so, dass Ibisevic diese Handhabe bestimmt nachvollziehen kann. Hertha ist ja im Aufbruch begriffen, hat in die Offensive bereits kräftig investiert. Da ist Krzysztof Piatek, 25, für 23 Millionen vom AC Mailand geholt. Da sind Dodi Lukebakio, Matheus Cunha. Und womöglich kommt schon bald, wie von Labbadia bestellt, dank der Millionen von Investor Lars Windhorst noch ein Klassestürmer hinzu. Andererseits ist Ibisevic ein Mann voller Stolz, einer, der so eine Hinhaltetaktik nicht akzeptieren kann. Hertha wird also einen Charakterkopf verlieren, einen, der auch nach innen gewirkt hat, als Boss der Kabine. Insofern ist sein Abschied für die Charlottenburger ein herber Verlust.