Petr Stochl gibt Füchse-Trainer Velimir Petkovic wichtige Tipps.
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Berlin-Prenzlauer BergPetr Stochl, 43, wirkt entspannt. Trotz seines vollen Arbeitstages strahlt er Ruhe aus, lächelt viel. Man merkt dem ehemaligen Torwart der Füchse Berlin, der noch zweimal die Woche   im Verein als Trainer arbeitet, nicht an, dass er gerade  die Einheiten mit der zweiten Männermannschaft und der A-Jugend hinter sich hat und dass noch vier weitere   mit Jugend- und Profi-Torhütern bevorstehen. Ihm gefällt es, nun auf der anderen Seite zu arbeiten.

Herr Stochl, wie kann man sich Ihre zwei Arbeitstage hier in Berlin vorstellen?

Ich bin immer montags und dienstags hier und mache dann das ganze Programm. Am meisten trainiere ich mit der A- und B-Jugend sowie mit der zweiten Männermannschaft.

Zusätzlich stehen Sie  den drei Bundesliga-Torhütern zur Verfügung.

Ich habe selten alle drei zusammen. Die Spielenden haben meist am Montag frei, da arbeite ich oft mit Martin Ziemer. Am Dienstag sind dann alle drei da, doch ist da nicht so viel Zeit, weil das Training gleichzeitig mit dem normalen Handball-Training stattfindet. Da habe ich sie vielleicht eine halbe oder dreiviertel Stunde.

Das heißt, mit den Profis haben Sie weniger zu tun?

Heine (Silvio Heinevetter; d. Red.) und Martin sind zwei wirklich erfahrene Torhüter. Die benötigen nicht so viel Unterstützung und wissen alleine, was sie machen sollen. Dejan (Milosavljev; d. Red.) ist zwar noch jung, aber genauso ein Profi.


Alle drei agieren sehr unterschiedlich.

Besonders Heine und Dejan haben eine komplett andere Technik und einen eigenen Stil. Das ist etwas Besonderes. Da ist es für mich am einfachsten mit Martin, der länger steht und mir ähnlicher ist. Doch Schnelligkeit und Reaktion braucht jeder Torwart. Der Rest sind Kleinigkeiten, die man verbessern kann.

Sie sagen, Martin Ziemer sei Ihnen sehr ähnlich, wie würden Sie die anderen Torhüter beschreiben?

Dejan hat eine Technik, die ich in Deutschland noch nie gesehen habe. Das ist für ihn ein Vorteil, weil er für die Gegner sehr schwierig einzuschätzen ist. Das Gleiche gilt für Heine. Er ist aber schon seit zwölf Jahren in der Bundesliga bekannt, daher kennen ihn die Spieler. Er ist jedoch ein extrem schneller Torwart. So schnelle Beine habe ich noch bei keinem Torwart gesehen. Er ist beim Sprinttest der schnellste im Team.

Diese Schnelligkeit lässt indes wahrscheinlich mit dem Alter nach.

Ja, er ist nicht mehr der Jüngste. Aber das ist seine Stärke und daran arbeiten wir.

Könnte man sich bei ihm einen Stilwechsel vorstellen?

Das wird schwer. Er wird irgendwann langsamer werden, das ist so. Das habe ich ebenso erlebt. Doch das kann man dann mit Erfahrung kompensieren. Er beobachtet die Spieler sehr genau. Schon als wir noch zusammengespielt haben, wusste er besser, wer wohin wirft.

Mit Heinevetter haben Sie neun Jahre ein Duo gebildet. Wie beeinflusst das das Training?

Mit Heine ist es sicher ein bisschen anders. Wir haben natürlich eine andere Verbindung zueinander. Ich habe ihm schon am Anfang gesagt, dass ich ihm nicht sagen werde, dass ich jetzt sein Trainer bin und alles besser weiß. Wir haben darüber gesprochen und er weiß, wenn er etwas will, helfe ich ihm. Aber wir sind immer noch mehr Freunde als Trainer und Spieler.

Wie würden Sie die Beziehung zwischen den Torhütern beschreiben?

In dieser kleinen Gruppe ist die Beziehung sehr wichtig. Wenn du drei gute Torhüter hast, die alle spielen wollen und können, ist das natürlich schwierig − für die Torhüter und für uns Trainer. Vor allem für Petko (Trainer Velimir Petkovic; d. Red.), weil er am Ende entscheidet.

Zur Person

Füchse-Keeper: Petr Stochl kam 2006  zu den Füchsen, die damals zweitklassig spielten, ein Jahr später folgte der Aufstieg. 2014 gewann er mit den Füchsen den DHB-Pokal sowie 2015 und 2018 den EHF-Pokal. Dazu wurde Stochl Vereinsweltmeister 2015, 2016. Am 3. Juni 2018 beendete der Torwart nach 12 Jahren und 526 Spielen im Füchse-Trikot seine Karriere.
Nationaltorwart: 204 Länderspiele bestritt Stochl für die tschechische Nationalmannschaft. Mit seinem Heimatland nahm er an der Weltmeisterschaft  2007 in Deutschland teil, belegte aber nur den 12. Platz. Beim 27:26 Sieg gegen Russland am 8. Juni 2018 machte er sein letztes Länderspiel.

Ziemer ist momentan der leidtragende Dritte.

Wie Martin sich verhält, ist super. Er hat gesagt, dass er da ist, um der Mannschaft zu helfen, falls sie ihn braucht. Auch wenn er nicht spielt, trainiert er regelmäßig. Er war es, der die extra Trainingseinheit wollte, um immer vorbereitet zu sein.

Und Heinevetter?

Der will natürlich spielen. Ich kenne die Situation. Wenn ich meine Chance bekommen habe, wollte ich die ausnutzen. Anders geht es nicht. Wenn jemand sauer wird, weil er nicht spielt, wird er keine Leistung zeigen. Weder im Training noch im Spiel. Das ist schwer für den Kopf, doch damit muss man umgehen.

Als Torwart spät eingewechselt zu werden, ist  nicht einfach.

Das ist schwierig, das habe ich selbst erlebt. Du musst immer bereit sein, das Spiel beobachten und schauen, wer gerade stark ist. Einfach nur vierzig Minuten da sitzen, geht nicht. Man muss sich körperlich und im Kopf warm halten. Das Schlimmste ist, wenn du reinkommst, gerade nichts funktioniert und du sofort da sein musst. Aber wenn man das schafft, kann man sich für die Zukunft empfehlen.

Wie wichtig ist es, dass sich beide Torhüter gut verstehen?

Das muss meiner Meinung nach sein. Sonst merkt das die ganze Mannschaft und die Leistungen sind nicht so gut. Wer draußen sitzt, sieht die Dinge aus einer anderen Perspektive, kann dir Tipps geben und dir helfen.

Wie sehr fehlt Ihnen persönlich das Spielgeschehen?  

Gar nicht. Es kann natürlich sein, dass es daran liegt, dass ich ständig beim Handball bin. Ich bin zwei Tage hier und die restlichen fünf Tage bin ich bei der Mannschaft in Pilsen. Ich habe an jedem Wochenende zwei Spiele, wenngleich das entspannter ist als hier in Berlin.

Da bleibt nicht viel Zeit für die Familie.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich das ändert, bisher hat das jedoch nicht so richtig geklappt. Ich bin so viel unterwegs.  Die Auswärtsspiele sind nicht so weit entfernt wie in Deutschland, das ist dann doch etwas einfacher.

Haben Sie sich wieder gut in Tschechien eingelebt?

Ja, wir wollten einfach zurück nach Hause gehen, auch wenn Berlin unsere zweite Heimat ist. Zuhause ist eben Zuhause. Es freut mich vor allem, dass sich die Kinder wohl fühlen.

Das Gespräch führte Carolin Paul.