783 Zuschauer sahen den 2:1-Sieg des SV Lichtenberg bei Energie Cottbus.
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BerlinDen Ball konnte Jonas Schmidt in Ruhe annehmen, auch für den Pass zum freien Nebenmann oder zurück zum eigenen Torwart hatte Lichtenbergs Abwehrspieler durchaus Zeit. Schmidt aber entschied sich in dieser 20. Minute des Spiels bei Energie Cottbus für eine Variante, die hätte bestraft werden müssen: Sein Pass ins Zentrum rollte punktgenau auf den Fuß von Niclas Erlbeck. Der Cottbuser machte fast alles richtig, umkurvte Lichtenberg-Keeper Niklas Wollert, scheiterte mit seinem Schuss aufs leere Tor allerdings am Pfosten und verpasste den zweiten Treffer. Dass Lichtenberg in dieser Szene sehr viel Glück im Unglück hatte, konnte auch Uwe Lehmann nicht unerwähnt lassen. „Wir haben Glück, dass wir das zweite Tor nicht bekommen. Das muss Cottbus nach unserem individuellen Fehler da machen“, sagte Lichtenbergs Trainer nach dem Spiel am Fernsehmikrofon.

Er hätte vermutlich nicht über einen knappen Sieg seiner Mannschaft, sondern über ein anderes Ergebnis sprechen müssen. Mit 2:1 hätte Lichtenberg bei dann zwei Cottbuser Toren ohnehin nicht gewinnen können. Da der FC Energie aber trotz guter oder wie in der eingangs beschriebenen Szene sogar beste Chancen zur 2:0-Führung hatte und nicht nutzte, wäre dennoch fast unbestraft geblieben. Aber: In der Schlussphase zeigten sich die Gäste in ihrer Verwertung von Chancen effektiver. Erst traf Philip Einsiedel per Flachschuss ins linke untere Eck zum Ausgleich, und in der dritten Minute der Nachspielzeit stellte Hannes Graf mit seinem Tor zum 2:1 den Spielverlauf auf den Kopf und ließ die Gäste jubeln.

Dass sie das vor immerhin 783 Zuschauern im Stadion der Freundschaft tun durften, war, unabhängig von den Ergebnissen, die beste Nachricht für viele Fans an diesem ersten Spieltag der Regionalliga Nordost. Sofern sie denn kein Spiel in Berlin sehen wollten. Denn während in den anderen Stadien der Liga Publikkum von den jeweiligen Gesundheitsämtern nach Vorlage eines Hygienekonzeptes zugelassen wurde, musste in der Hauptstadt weiter vor leeren Rängen gekickt werden. Als „ein Hoffnungszeichen“ wurde es dennoch von Holger Fuchs gesehen. „Dafür haben wir und die Vereine viel Kraft investiert“, sagte der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes.

So erspielte sich der SV Babelsberg vor 1895 Zuschauern beim FC Carl-Zeiss Jena immerhin ein 1:1, während Viktoria Berlin vor 687 Fußballanhängern in Chemnitz sogar 2:1 gewinnen konnte. Der BFC Dynamo hingegen kam bei Chemie Leipzig und vor lautstarken 1.000 Fans beim 1:3 unter die Räder. Ruhig dagegen blieb es beim 3:1-Erfolg von Hertha BSC II gegen Lok Leipzig, dem 3:2-Sieg des Berliner AK gegen Fürstenwalde und natürlich auch beim 3:2-Erfolg der VSG Altglienicke im Duell mit Tennis Borussia Berlin. Nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen der weiter fehlenden Zuschauer.