Das prall gefüllte Stadion An der Alten Försterei.
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Berlin-KöpenickEin Typ wie Uwe Seeler ist ganz selten geworden. Einen wie Fritz Walter, den 1954er-Weltmeisterkapitän, sucht man ebenso mit der Lupe. Auch Spieler wie Bayern Münchens Sepp Maier, Jürgen Croy, womit ich schon wieder bei meinem Zwickauer Lieblings-Keeper wäre, der Dresdner Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner und Konrad Weise, der Mann von Carl Zeiss Jena, sind, wenn man so will, aus der Mode gekommen. Warum? Weil es auf höchster Ebene kaum noch jemanden gibt, der nur für einen Verein – das i-Tüpfelchen wäre es, wenn es auch noch der Verein aus der jeweiligen Heimatstadt ist – gespielt hat.

Diese Jungs sind rar geworden, weil solch eine Karriere alles andere ist als zeitgemäß. Das liegt natürlich an der Leichtigkeit und der Weltoffenheit der Gegenwart und an der Öffnung der Schranken für ausländische Spieler. Das war in der Bundesliga mal anders, als die Anzahl der Ausländer im Verein auf zwei begrenzt war und in der DDR-Oberliga gar kein Ausländer eingesetzt werden durfte. Ganz hart trifft es seinerzeit den SC Neubrandenburg. Da steigt die Mannschaft aus der Provinz 1964 in die Oberliga auf, verliert aber ihren spektakulärsten Spieler. Der heißt Souleymane Cherif, kommt aus Guinea, studiert in Neustrelitz Bauwesen und schießt eine Menge Tore. Nur in der Oberliga darf er nicht ran. Ausländer halt …

Union-Kenner

Andreas Baingo begleitet seit mehr als vier Jahrzehnten das Geschehen rund um den 1. FC Union. Für die Eisernen war er sogar selbst einmal am Ball. Immer mittwochs gibt er nun seine Expertise zu dem Fußball-Bundesligsten ab.

Das würde heute niemandem mehr passieren. Da läuft eine Mannschaft schon mal auf den Rasen und keiner der Spieler besitzt einen deutschen Pass, wie von Eduard Geyer bei Energie Cottbus als Erstem einst spektakulär vorgeführt. Das sagt, bitte nicht falsch verstehen, nichts gegen diese Spieler, im Gegenteil, es macht es zugleich aber schwer für die einheimischen Talente, ernsthaft Fuß zu fassen.

Umso bemerkenswerter ist es, dass der 1. FC Union und der 1. FC Köln, die sich am Sonntag in der Alten Försterei gegenüberstehen, in diesem Business unter „wider den Trend“ laufen. Die beiden Aufsteiger nämlich sind (mit Hertha BSC übrigens) die Vereine in der deutschen Eliteliga mit dem höchsten Heimfaktor. Im 29-köpfigen Kader der Geißbock-Elf stehen mit Christian Clemens, Niklas Hauptmann, Marco Höger, Timo Horn, Thomas Kessler und Marcel Risse sechs gebürtige Kölner, im 33-köpfigen Kader der Eisernen mit Maurice Arcones, Laurenz Dehl, Julius Kade, Christopher Lenz, Lennard Maloney, Ken Reichel und Manuel Schmiedebach sogar sieben Berliner und bei ein klein wenig dehnbaren Landesgrenzen käme der Potsdamer Robert Andrich als achter dazu.

Da ist, um es salopp zu formulieren, ein Heimspiel tatsächlich ein Heimspiel. Selbst wenn längst nicht alle hier oder da erste Wahl für einen sofortigen Einsatz in der Bundesliga sind und manche doch eher zufällig für die folkloristische Note sorgen, ist das nicht alltäglich. Trotzdem: 17 Saisoneinsätze für die geborenen Berliner unter den Eisernen (mit Andrich wären es 29) und 25 für die gebürtigen Kölner unter den Geißböcken sind nicht ganz so übel angesichts der Tatsache, dass in Leipzig (das überrascht ernsthaft ja niemanden), bei den Bayern, in Hoffenheim und Freiburg, in Düsseldorf, Leverkusen und Mönchengladbach keiner den Atem der Bolzplätze jener Orte auf die große Fußball-Landkarte haucht.

Was das für das Spiel am Sonntag bedeutet? Eigentlich nichts. Ein kleines Zeichen an die Liga ist es trotzdem.