Kleider machen Leute, das wäre ein passender Titel für das Fraueneishockey-Turnier an diesem Wochenende. Die gastgebende Mannschaft im Wellblechpalast zu Hohenschönhausen hat sich personell zwar nicht gravierend verändert im Vergleich zur Vorsaison. Eklatant aber ist der Unterschied, dass die Spielerinnen nicht mehr das Trikot der OSC Eisladies, sondern das der Eisbären Juniors tragen. Im Juni wurde der Tausch vollzogen.

Für Nationalspielerin Anne Bartsch, 21, fühlt sich diese Veranstaltung nicht grundsätzlich anders als sonst, nur weil jetzt ein Eisbär das Trikot ziert. Das Sportforum war ja auch die sportliche Heimat der Eisladies. Bartsch hofft aber, dass eine Art Langzeitwirkung erfolgt. „Wir erhoffen uns mehr Aufmerksamkeit durch die Eisbären“, sagt sie. „Dass das Fraueneishockey einfach mehr Beachtung findet.“ Ein Wunsch, der für viele Klubs in Berlin trotz teils beachtlicher Erfolge seit langem unerfüllt bleibt.

Wie echte Fraueneishockey-Leidenschaft aussieht, hat die Verteidigerin zuletzt erlebt. Eine Saison setzte sie mit ihrem Studium der Öffentlichen Verwaltung aus und gönnte sich eine sportliche Auszeit in Schweden, beim dortigen Topklub HV 71 Jönköping. „Eishockey ist dort auch bei den Frauen Volkssport. Bei unseren Spielen kamen deutlich mehr als 5000 Zuschauer“, sagt sie. In Berlin sind sie schon froh, wenn sich Hundert Zuschauer auf der Tribüne einfinden.

Aber auch qualitativ muss sich Bartsch nun wieder einstellen auf die deutschen Verhältnisse. „In Schweden gab es fünf Eisflächen, auf denen wir trainieren konnten.“ Im Sportforum müssen sich die Frauen mit Eiskunstläufern, Profis und zahlreichen Junioren- und Kinderteams arrangieren.

Eishockeyspielerinnen sind nicht dafür bekannt, sich ständig zu beklagen 

Statt zwei täglichen Trainings sind jetzt wieder drei Einheiten während der Woche Standard. Und nicht zuletzt hängt alles vom Geld ab. „In Deutschland muss dein Fokus als Eishockeyspielerin auf dem Beruf liegen, weil du nichts verdienst.“ Selbst beim Equipment müssen die Spielerinnen ihr Portemonnaie öffnen.

Eishockeyspielerinnen sind dennoch nicht dafür bekannt, sich ständig zu beklagen über das, was nicht ist und wahrscheinlich auch nicht sein wird. Vielmehr betonen sie gerne den Fortschritt, den die Sportart im Kleinen und im Großen nimmt. Bei der WM in den Vereinigten Staaten im April zog eine deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal überhaupt in ein Halbfinale ein. Die Schwedinnen scheiterten trotz ihrer Professionalität im Viertelfinale. Die große Stärke des deutschen Teams liegt im Gemeinschaftsgefühl.

Das zeigt sich auch auf Vereinsebene. Große Klubwechsel bleiben in der Liga aus, weil jede Spielerin zeitgleich nach einem anderen Arbeitgeber oder einer Hochschule suchen müsste, in der sie das begonnene Studium fortsetzen kann. Das mutet sich kaum jemand zu. Auch wenn der ESC Planegg die Maßstäbe in Sachen Professionalität setzt, ist selbst hier kein angemessenes Einkommen zu erwarten. Und so bleiben die Spielerinnen ihren Vereinen in der Regel treu.

Auch wenn sie ein wenig auf die Zeit in Schweden zurückblickt und am liebsten die Eishockey-Exkursion verlängert hätte, schätzt Bartsch das Mannschaftsgefüge bei den Eisbären. „Man wächst hier stark zusammen, und immer wieder kommen ein paar junge Gesichter dazu.“

Beim ersten Auftritt als Eisbärinnen wird sich nun zeigen, wie weit die Integration fortgeschritten ist. Insgesamt stehen die Frauen in den vier Spielen mit einer Dauer von dreimal 15 Minuten lange auf dem Eis. Da bleibt Zeit, das eine oder andere auszuprobieren. Und zu zeigen, dass im neuen Bärengewand das gleiche Talent steckt wie im früheren Eisladies-Dress.