Berlin - Zwar verschenkte Erik Lesser mit nur einem Fehler beim letzten Schießen sein erstes Einzelpodest seit über einem Jahr. Aber Rang sechs des 33-Jährigen beim abschließenden Verfolgungsrennen beim Heim-Weltcup in Ruhpolding am Sonntag sowie zwei zweite Plätze durch die Staffel und Benedikt Doll im Sprint waren ein Fingerzeig: Drei Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Peking geht es für die deutschen Biathleten in die richtige Richtung – und trotz des Corona-Falls von Johannes Kühn steigt die Zuversicht.

„Auf der Strecke war es heute eine einzige Qual. Aber meine Formkurve zeigt Richtung Olympia nach oben“, sagte Lesser, der als einer von sechs möglichen deutschen Olympia-Fahrern sportliche Argumente für die nur vier möglichen Startplätze sammelte. Und in den sozialen Medien ein paar neue Fans. Keine deutschen, sondern russische. „Aktuell explodiert mein Instagram-Account. Ich finde es krass und komisch, wie viele Leute da Anteil nehmen an einer für mich einfachen Geste“, sagte der 33-Jährige, der seinen russischen Kontrahenten Eduard Latypow in der Corona-Not uneigennützig geholfen hatte. „Ich finde es schön, dass es honoriert wird, aber ein Viertel davon würde auch reichen“, sagte Lesser nicht ganz ernst gemeint mit einem Augenzwinkern.

Mehr als 5000 neue Fans auf Instagram

Vor seinem sechsten Platz im Sprint am Donnerstag beim Heim-Weltcup in Ruhpolding folgten dem Thüringer in dem sozialen Netzwerk 91.700 Fans. Mittlerweile sind es mehr als 97.000 – und von den neuen Fans sind es fast nur russische. „Es ist leicht für mich zu helfen. Es ist nichts Besonderes“, schrieb Lesser an seine russischen Follower, bei denen er sich aber auch ausdrücklich bedankte. Nachdem Latypow beim Weltcup in der Vorwoche in Oberhof positiv auf das Coronavirus getestet worden war und zwei Wochen Quarantäne angeordnet wurden, hatte Lesser den Russen mit einem Fahrrad und einer Radrolle ausgestattet. „Ich hatte nach dem Bekanntwerden dem russischen Fernsehen gesagt, sie sollen mein Angebot ans Team weitergeben. Die sind dann Sonntagabend bei mir vorbeigekommen und haben das abgeholt“, berichtete Lesser nun beim Weltcup in Ruhpolding. Auch Schuhe und eine Hose habe er Latypow gegeben. In der eigenen Ausrüstung zeigte Lesser am Sonntag mit seinem zweiten sechsten Platz weiter aufsteigende Form.

Auch Doll, der im Jagdrennen nach vier Fehlern Elfter wurde, sammelte im Sprint mit seinem ersten fehlerfreien Schießen seit zwei Jahren Selbstvertrauen. Zudem schaffte David Zobel als Zehnter des Jagdrennens die halbe Olympia-Norm. Philipp Nawrath untermauerte derweil in der Staffel seine Position als Schlussmann. Nicht dabei waren in Bayern allerdings Norwegens Topstars, die ein Trainingslager einlegten.

Die Damen rund um die angeschlagene Franziska Preuß hängen hingegen weiter hinter ihren Erwartungen zurück und haben auch in der coronabedingt leeren Chiemgau-Arena den erhofften Leistungssprung verpasst. Die noch nicht für die Spiele qualifizierte Franziska Hildebrand (34) sorgte mit Platz 20 in der Verfolgung und Rang 17 im Sprint für die besten Ergebnisse. Mit der Staffel hatte es nur zur Rang vier gereicht. „Wir müssen trotzdem ruhig bleiben. Wir haben noch zwei Wochen Zeit, um uns gut vorzubereiten“, meinte der Sportliche Leiter Biathlon, Bernd Eisenbichler.

Herrmann mit Schwächen am Schießstand

Obwohl sie eine sehr gute Saisonvorbereitung absolvierten, bleiben die Ergebnisse bei den Damen aus. Medaillenhoffnung Denise Herrmann, die mit Blick auf Peking die Verfolgung in Ruhpolding ausließ und bei den letzten Rennen vor Olympia ab Donnerstag in Antholz nur im Massenstart antreten wird, hat noch zu viele Schwächen am Schießstand. Lediglich bei Staffel-Platz vier, als Vanessa Hinz patzte, war bei ihr ein Aufwärtstrend zu sehen.

Die bisher formschwache Hinz verbesserte sich in der Verfolgung um 34 Plätze auf Rang 26 und hatte damit wenigstens ein Erfolgserlebnis. Vanessa Voigt schießt solide, kann aber läuferisch nicht mithalten. Möglich scheint aber, dass Hildebrand auch ohne Qualifikation als eine von fünf deutschen Frauen mit nach China reisen darf.

Franziska Preuß steigt nach ihrer Corona-Infektion und Fußverletzung jetzt erst in ein Aufbautraining ein und wird auch den Weltcup in Antholz verpassen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht so, dass sie an Wettkämpfe denken kann“, sagte Frauen-Disziplintrainer Kristian Mehringer. Ihr letztes Rennen bestritt sie am 12. Dezember. Ob Kühn, der ebenfalls wegen eines positiven Tests in Quarantäne musste, in Südtirol wieder ins Team zurückkehrt, ist noch offen.