Ingvartsen im Aufwind: Der dänische Angreifer will jetzt beim 1. FC Union nachlegen

Berlin - Natürlich war es ein Stück weit eine Erleichterung. Stürmer werden nun einmal an Toren gemessen. Davon hatte Marcus Ingvartsen, im Sommer für knapp 1,5 Millionen Euro vom belgischen Meister KRC Genk zum 1. FC Union gewechselt, bislang nicht so viele auf seinem Konto stehen. Genauer gesagt, prangte da eine ziemlich dicke Null. Bis zum vergangenen Wochenende, bis zum 2:0 gegen den SC Freiburg.

Nun ist es nicht so, dass der 23-Jährige sich in der letzten Zeit damit arg viel Druck gemacht hätte. Auch wenn sein Start bei den Köpenickern zu wünschen übrig ließ. Oder um es im Positivsprech der modernen Fußballpropaganda-Abteilungen zu formulieren: Der ehemalige dänische U21-Nationalspieler offerierte Verbesserungspotenzial und Luft nach oben. Aber auch Ingvartsen gab zu, dass ihm sein Premierentreffer in der deutschen Eliteliga einiges bedeutet.

Spiel ist schneller

Je länger so etwas dauert, umso schwieriger wird es. Rein psychologisch gesehen. Erst grübelt man, dann nagt der Zweifel. Womöglich versagen einem später die Nerven. Am Ende setzt man sich so sehr unter Druck, dass ein Teufelskreis aus unbedingt Wollen aber nicht Hinbekommen droht. Und das alles wohlgemerkt in einer neuen Liga, an die es sich erst zu gewöhnen gilt.

„Hier wird viel schneller gespielt als in Belgien oder Dänemark“, erkannte der Torschützenkönig der dänischen Superliga der Spielzeit 2016/17.

Diese Gefahr, auch wenn sie höchstens im Anfangsstadium bestanden hatte, ist gebannt mit seinem feinen Lupfer am Ende der Partie gegen die Breisgauer, mit der er den Sack am vergangenen Wochenende in der Alten Försterei endgültig zuband. „Das war ein Klassegefühl. Das war ein schöner Abschluss eines schönen Spiels für uns“, zeigte er sich dennoch bescheiden.

Beckers Ausfall hilft Ingvartsen

Ingvartsen profitierte natürlich auch von dem Ausfall des Kollegen Sheraldo Becker. Im torlosen Test gegen Dynamo Dresden in der Länderspielpause probte Trainer Urs Fischer den Ernstfall, stellte den 23-Jährigen auf dem rechten Flügel auf.

Es folgten intensive Gespräche mit dem Coach, gepaart mit Hinweisen auf Verbesserungsmöglichkeiten. Die hat Ingvartsen dankbar angenommen. „Fremd ist mir diese Position nicht, ich habe sie in Nodrsjaeland schon gespielt. Der Trainer sagte mir, ich sollte noch mehr in die Box gehen, noch mehr den Abschluss suchen“, verriet der 1,87 Meter große Angreifer.

"Schön, in der Startelf zu stehen"

Gesagt, getan. Und wie. Viermal hielt Ingvartsen drauf. Einmal verhinderte der Pfosten ein früheres Erfolgserlebnis. Einmal Freiburgs eingewechselter Keeper Niclas Thiede nach einem starken Kopfball. „Ich mag diese Aufgabe. So kann ich von rechts reinziehen und mit meinem starken linken Fuß abschließen oder scharfe Flanken spielen“, meinte Unions Mann mit der Nummer 32 auf dem Rücken.

„Es war einfach schön, nach meiner Verletzung wieder in der Startelf stehen zu können. Und natürlich gibt so etwas Selbstvertrauen“, so Ingvartsen weiter.

Das wird auch benötigt an diesem Wochenende, wenn es gegen die Bayern geht. „Das wird ein großes Spiel. Aber sie sind derzeit in keiner besonders guten Verfassung. Sie haben Probleme in der Defensive. Und uns hat das Freiburg-Spiel mächtig Auftrieb gegeben“, sagt Ingvartsen – in der leisen Hoffnung auf den großen Coup.