Interflug beim TIB in Berlin: Koboldmaki umarmt Bonobo beim Ultimate Frisbee

Paviane, Kapuzineräffchen, Orang Utans und Bonobos. Was sich zunächst einmal anhört wie eine Übersicht der im Berliner Zoo beheimateten Affenarten, sind Teams, die an der Interflug 16 teilgenommen haben, Berlins größtem Ultimate-Frisbee-Turnier. Mehr als zweihundert Sportler aus ganz Deutschland und Europa sind hierfür am vergangenen Wochenende gegenüber vom Tempelhofer Feld auf dem Vereinsgelände der Turngemeinde in Berlin (TiB) zusammengekommen.

Jewe Pasch ist ein Klammeraffe. Die Interflug sei ein sogenanntes Hat-Turnier, erklärt der 30-Jährige, „man meldet sich nicht mit seiner Mannschaft, sondern als einzelner Spieler an“. Die Mannschaften werden dann je nach Spielstärke der Akteure ausgelost, so dass gleichstarke Teams entstehen. Normalerweise tritt Pasch für Parkscheibe an, eine Mixed-Mannschaft aus der Frisbeeabteilung des TiB. Seit knapp vier Jahren spielt er dort Ultimate, vor allem weil ihm „der Sport einfach Spaß macht“.

Ein Sport, der in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Etwa 10 000 aktive Spieler registriert der Deutsche Frisbeesport-Verband. Die Hälfte davon ist in Vereinen organisiert und Ultimate Frisbee deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem Freizeitvergnügen im Strandurlaub ein Sport mit olympischen Ambitionen wird. Ultimate Frisbee wurde vor einem Jahr vom IOC als Sportart offiziell anerkannt.

Für Fernsehzuschauer leicht zu konsumieren

Das Format kommt Olympia entgegen. Gespielt wird auf einem circa einhundert Meter langen und 35 Meter breiten Feld. An den langen Enden befindet sich, wie beim American Football, eine 18 Meter tiefe Endzone. Ziel der beiden Mannschaften ist es, die Scheibe durch Zupassen in diese Endzone der gegnerischen Mannschaft zu bringen. Das ist für einen Fernsehzuschauer leicht zu konsumieren.

Für Jewe Pasch ist es „die Kombination des läuferischen Aspekts und der verschiedenen Wurftechniken“, die ihn am Ultimate so fasziniert. Und tatsächlich wird bei genauerem Hinschauen schnell deutlich, wie viele verschiedene Wurftechniken und -varianten es gibt, um die Scheibe punktgenau an den eigenen Mitspieler zu bringen. Insbesondere die langen Pässe und Anspiele in die gegnerische Endzone müssen extrem präzise geworfen werden um zu verhindern, dass ein Gegenspieler die Scheibe noch aus der Luft schlagen kann.

Eben diese Anspiele in die Endzonen sind das wohl Spektakulärste am Ultimate Frisbee. Immer wieder kommt es in der Luft zu Duellen zwischen Angreifer und Verteidiger, zu Hechtsprüngen der Passempfänger, um die Scheibe noch zu erreichen, zu spektakulären Rettungsaktionen durch die Verteidiger.

Am Ende wird ein Fair-Play-Preis vergeben

Auffällig ist der Umgang der Spieler untereinander: „Fair Play ist für viele das absolut höchste Gut im Ultimate Frisbee“, sagt Pasch. Schiedsrichter gibt es nicht. „Fouls sagen die Spieler selber an und klären auch sonst auf dem Feld alles untereinander.“ Am Wochenende auf dem Gelände der TiB haben nach einem Duell beide Mannschaften einen Kreis gebildet. Sie haben die Arme auf den Schultern des Nachbarn. Jeder Spieler erklärt, was ihm gefiel und was nicht. Es fallen Sätze wie: „Das fand ich superfair.“ Oder: „Dein Foul war übertrieben.“ Am Ende eines jeden Turniers wird ein Fair-Play-Preis vergeben, der für manche fast wichtiger ist als der Titel.

Die Intensität während der Spiele war zwar hoch, die Stimmung bei den Spielern dennoch extrem locker. „So ein Turnier ist immer wie eine Klassenfahrt, bei der man dieselben Nasen immer mal wieder sieht“, sagt Pasch. Bei der Interflug 16 schliefen die Teilnehmer in Zelten, die sie neben den Spielfeldern aufgestellt hatten, wie im Ferienlager, und auch beim Kochen von Mittag- und Abendessen half jeder mit. Zum Auftakt am Freitag gab es einen Karaoke-Abend, der aber „leider frühzeitig von der Polizei aufgelöst wurde“, sagt Pasch und lacht.

Rasantes Wachstum in der Ultimate-Community

Organisiert wurde diese Klassenfahrt für Ultimate-Spieler unter anderem von Tino Kempmann, von der Frisbee-Abteilung der TiB. Er freut sich über das stark wachsende Interesse am Ultimate, das in Deutschland ursprünglich vor allem an den Universitäten gespielt wurde. „Weil nordamerikanische Studenten den Sport aus Ihrer Heimat mitgebracht haben“, sagt Kempmann.

Inzwischen spielen immer mehr Jugendliche hierzulande Ultimate und sorgen für ein rasantes Wachstum in der deutschen Ultimate-Community. Über den Status einer Randsportart hinaus gebracht hat es der Sport bislang allerdings nicht. Wohl auch, weil hierfür noch das Geld fehlt. Anders als in den USA, wo in der höchsten Spielklasse zumindest Antrittsprämien gezahlt werden, finanzieren die Frisbee-Freunde in Deutschland ihre Leidenschaft komplett aus eigener Tasche. Es gibt zwar eine Nationalmannschaft, doch ihre Reisen zu Welt- und Europameisterschaften müssen die Auswahlspieler größtenteils selbst bezahlen.

Auch Jewe Pasch investiert viel Geld in sein Hobby. Er sagt aber: „Andere Leute fahren in den Urlaub, ich fahre halt auf Frisbee-Turniere.“ Zum Gesamtsieg hat es für Pasch und seine Klammeraffen übrigens dieses Jahr nicht gereicht. Den sicherten sich die Bonobos. Sie krönten sich mit einem knappen Finalsieg über die Koboldmakis zum besten Affenstamm der Frisbeewelt.