Internet-Unternehmen: Yahoo will um die Bundesliga mitbieten

Düsseldorf - Das wachsende Interesse großer Internet-Unternehmen an den Fernsehrechten der Fußball-Bundesliga ab 2013 könnte das Ende der ARD-Sportschau einläuten. Mit Yahoo hat zum ersten Mal einer der großen Anbieter im World Wide Web sein Interesse an der Berichterstattung von der Bundesliga bekundet, nachdem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zwei der 23 ausgeschriebenen Rechtepakete für Zusammenfassungen im Internet vorgesehen hat.

„Wenn die Internetrechte für uns interessant sind, und wir sagen, das lohnt sich, das ist das, was die Nutzer auf Yahoo sehen wollen, dann werden wir sicherlich ein Angebot platzieren“, sagt Heiko Genzlinger, Deutschland-Chef von Yahoo. In England zeigt das Unternehmen schon wöchentlich Ausschnitte von der Premier League.

Auch Google interessiert

Die Sportschau im ARD-Fernsehen könnte dadurch in die Defensive gedrängt werden. Ein Angebotspaket für die ähnlich einer Versteigerung organisierten Rechtevergabe soll angeblich so geschnürt sein, dass im Internet die Bundesliga zur Sportschau-Zeit ab 18.30 Uhr gezeigt werden dürfte.

Eine Alternative dazu wäre eine drei Stunden spätere Sendezeit für die Zusammenfassung der „Highlights“ im Internet, was die Sportschau verschonen würde. Neben Yahoo steht auch die Google-Tochter YouTube in den Startlöchern. „Ich will noch nicht über die Bundesliga-Ausschreibung spekulieren. Wir beobachten aber intensiv, was die Bundesliga und die Fernsehanstalten mit ihrer Erfahrung anbieten und wie YouTube die bestehenden Modelle ergänzen könnte“, sagte Jeff Nathenson, der bei YouTube verantwortlich für Sport-Partnerschaften ist, am Wochenende im Deutschlandfunk.

Neue Markt-Mitspieler wecken Hoffnungen

Die neuen Mitspieler auf dem Markt wecken große Hoffnungen. So sprach Bayern Münchens Vorstandschef Karlheinz Rummenigge schon von „italienischen Verhältnissen“ und nannte die Summe von 800 Millionen Euro pro Saison, die die DFL aus der Vermarktung der Übertragungsrechte für Fernsehen, Mobilfunk und Internet insgesamt kassieren könnte. Aktuell nimmt die DFL etwa 412 Millionen Euro für einen Zwölf-Monats-Zeitraum ein.

Bis Mitte Januar läuft die Registrierung der Bieter. Wen die DFL zulässt, der kann ab Februar sein Gebot abgeben. In der zweiten Jahreshälfte ist mit der Entscheidung zu rechnen, wie die DFL die Rechte - wahrscheinlich bis 2017 - verteilt.

Yahoo meint es jedenfalls ernst mit seinen Plänen. Die Internet-Firma will vom Fußball nicht nur an den Bundesliga-Spieltagen berichten. „Ich kann nur sagen, dass das definitiv der erste Schritt wäre. Wir wollen dem Nutzer ein umfängliches Angebot in Sachen Fußball bieten. Und da geht es ja nicht nur um die Fußball-Bundesliga“, sagt Genzlinger.

Yahoo mit weltweiter Erfahrung bei Vermarktung

Die Kosten für die Rechte und die Produktion der Sendungen sollen über Werbung refinanziert werden. Zwar bezweifeln Experten, dass die Onlinewerbung so viel einspielen kann, aber Genzlinger verweist auf die Erfahrungen von Yahoo mit den Profiligen in den USA, der Premier League in Großbritannien, Rugby in Neuseeland oder Cricket in Indien. Das Unternehmen besitze das Wissen, wie große Werbekunden gewonnen werden.