„Nicht nur Fußball ist wichtig, auch das Drumherum“, sagt Marius Wolf.
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BerlinSo schnell wie Marius Wolf, 24, seit September Herthas rechte Außenbahn bespielt, erscheint er auch zum Interview. Fünf Minuten nach dem Training steht der Leihspieler von Borussia Dortmund ungeduscht im Medienraum der Berliner. Der Oberfranke hat einen großen Anteil an Herthas sportlichem Aufschwung und in den vergangenen Jahren viel erlebt.

Herr Wolf, vor drei Jahren wurden Sie bei Hannover 96 in der Zweiten Liga aussortiert. Für 500 000 Euro ging es zu Eintracht Frankfurt, nach eineinhalb Jahren für fünf Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Nun sind Sie seit September auf Leihbasis bei Hertha BSC. Der Klub kann Sie nach der Saison für 20 Millionen Euro verpflichten. Ist das die Schnelllebigkeit des Profifußballs?

So ist das Fußballgeschäft. Blöd gesagt, weiß man heute nicht, wo man morgen ist. Damit muss man als Profi umgehen können. In Hannover war es für mich als junger Spieler eine schwere Zeit. Ich kam als Zweitligaspieler mit dem Traum Bundesliga zu spielen. Dann stieg der Verein ab und der neue Trainer (Daniel Stendel, d. Red.) schickte mich zu den Amateuren. Die Gründe dafür habe ich nie erfahren.

Sie waren als Kind BVB-Fan. War der Schritt zum Meisterschaftszweiten zu früh?

Ich glaube, „zu früh“ gibt es im Fußball nicht. Auch, wenn das viele sagen, weil es vielleicht nicht direkt läuft. Bei mir ist es so: Wenn ich eine Chance bekomme, will ich sie nutzen. Und wenn ich eine Entscheidung gefällt habe, stehe ich dazu.

Ich hatte beim BVB trotzdem eine Top-Zeit. Ich habe meine Einsätze bekommen und mich fußballerisch extrem weiterentwickelt. Für mich war klar, dass ich mich in der Vorbereitung aufdrängen will. Dann habe ich trotz guter Leistungen gespürt, dass nicht mit mir geplant wird. Ich denke, das, was man in einem Spiel erlebt, kann man in keinem Training der Welt aufholen. Deswegen war für mich klar, dass ich zu einem Klub wechseln will, wo ich Spielpraxis bekomme und etwas aufgebaut wird.

Warum haben Sie sich für Hertha entschieden?

Für mich war die Konstellation mit Ante Covic als neuem Trainer interessant. Seine Philosophie und die Spielweise der Mannschaft gefallen mir gut. Hier wird Fußball gespielt und etwas aufgebaut.

War es nicht auch ein Risiko zu einem Verein zu wechseln, der sich gerade im Umbruch befindet?

Risiko hat man, egal wo man spielt. Es kann in jedem Verein laufen oder nicht. Veränderungen brauchen nun mal Zeit. Es ist ein Prozess, bis jeder alles verstanden hat. Das ist wie im normalen Leben. Wenn man den Job wechselt, braucht man auch eine Eingewöhnungszeit. Ich denke, man hat von Anfang an gesehen, was der Trainer vorhat. Wir haben ruhig und fokussiert weitergearbeitet und durch die Ergebnisse jetzt mehr Selbstvertrauen und Sicherheit.

Wie haben Covic und Manager Preetz Sie von Hertha überzeugt?

Für mich ist das Menschliche sehr wichtig. Wie mit einem gesprochen wird, dass nicht nur der Fußball wichtig ist, sondern auch alles Drumherum. Ich habe das Gefühl, das hat leider immer weniger Bedeutung. Du wirst oft ausschließlich als Spieler gesehen, aber nicht als Person. Ante Covic ist eine Respektsperson, aber es ist auch wichtig für mich, mit ihm über andere Dinge des Lebens reden zu können. Diese Offenheit hat mich überzeugt.

Niko Kovac soll für Sie in Frankfurt der Trainer gewesen sein, der Sie am meisten prägte. Kovac und Covic sind gut befreundet, beide gebürtige Berliner und Kroaten. Gibt es in ihrer Arbeitsweise Gemeinsamkeiten?

Die beiden sind ähnliche Typen, was die Kommunikation und die Ansprache an das Team betrifft. Das war unterbewusst vielleicht auch ein Punkt, der für mich wichtig war.

Wie groß ist die Vorfreude aufs Derby?

Es motiviert, wenn man so ein Spiel vor der Brust hat. Es macht Riesenspaß ein Derby mit so einer Stimmung zu spielen. Aber wir haben ja noch zwei Spiele vorher. Zuerst müssen wir am Samstag gegen Hoffenheim Leistung zeigen. Das lebt der Trainer jeden Tag vor. Darauf sind wir fokussiert. Dann kommt im Pokal Dresden mit vielen Fans ins Olympiastadion. Das wird auch ein Highlight.