Dr. Andreas Knieriem, Direktor von Zoo, Tierpark und Aquarium,  hat in das Verwaltungsgebäude im Zoo geladen. Mit Sport haben die Tiere eigentlich nichts am Hut. Trotzdem sind Adler, Albatrosse, Bären jeglicher Art oder Schlangen fest in den Namen der Berliner Sportwelt verankert: Der Fantasie sind in der Hauptstadt keine Grenzen gesetzt. Im Interview betreibt Knierim Ursachenforschung. 

Herr Knieriem, welche Sportart verbirgt sich hinter dem Vereinsnamen BSG Spinne Berlin?

Uh. Das erschließt sich ja meistens aus den Namen nicht so genau. In den wenigsten Fällen ist das ein naturhistorisch begründeter Name. Vielmehr möchte man ja bestimmte Fertigkeiten der jeweiligen Tierart für sich verbuchen. Bei einer Spinne könnte es demnach um das Spinnen von Netzen gehen oder die vielen Beinpaare. Beides passt allerdings nicht zu Sport. Ich bin überfragt – helfen Sie mir.

Das ist nicht so schlimm. Dieser Verein spielt Bowling.

Das erschließt sich absolut nicht. (lacht) Kreativität scheint auch im Sport ganz besonders wichtig zu sein. Ganz nüchtern betrachtet, werden dabei Tieren aber auch häufig bestimmte Fähigkeiten oder Eigenschaften angedichtet.

Wie meinen Sie das?

Ehrlich gesagt, kenne ich kein Tier, das einen wirklichen Sportsgeist entwickelt – rein aus sportlichen Gedanken also mehr Kalorien verbrennt, als nötig. Das macht nur der Mensch. Insofern eignen sich Tiere eigentlich gar nicht so gut für die Namensgebung. Aber Nüchternheit finde ich in der Regel langweilig, und deswegen ist es doch schön, wenn man kreativ ist und so einen ansprechenden Namen für den eigenen Verein findet.

Dann gleich noch ein Tier. Welche Eigenschaften könnte man denn einem Flamingo andichten?

Nun ja, andichten kann man natürlich beliebig viel. Ich denke aber mit einem Flamingo verbinden viele, dass er perfekt auf einem Bein stehen kann, natürlich sein auffällig-farbiges Federkleid, dass er mit seiner Zunge Wasser filtrieren kann – ein Sportverein, der aus Suppen kleinste Zutaten herausfiltert? (lacht)

Ein Verein für Baseball und Softball.

Das ist wieder so weit hergeholt, dass ich dafür keine Erklärung habe. Aber das ist ja das Schöne – die Namen liegen so weit von dem eigentlichen Sport weg, dass es ein Vergnügen ist, sich damit zu beschäftigen. Es gibt aber auch Vereine wie die Eisbären Berlin, da passt das schon etwas mehr zusammen. Eisbären können sich beispielsweise hervorragend auf dem Eis fortbewegen.

Warum greifen viele Vereine bei der Namensgebung oder der Wahl ihrer Maskottchen auf Tiere zurück?

Mit Tieren assoziiert der Mensch etwas. In diesem Fall wohl vor allem vermeintliche herausragende Fähigkeiten. Vielleicht machen das die Vereine aber auch, weil es so viele unterschiedliche Tiere und damit die Möglichkeit für Namen gibt.

Besteht in Berlin eine besondere Verbindung zwischen den Sportvereinen und Zoo oder Tierpark?

Das ist gar nicht so berlintypisch, sondern wir finden das in vielen Städten. Berlin ist aber sehr groß und unglaublich vielfältig. Deshalb gibt es so viele Vereine mit so vielen kreativen Namen und damit wunderbare Anknüpfungspunkte zu unseren Einrichtungen.

Gibt es einen gegenseitigen Nutzen für den Sport und den Zoo?

In jedem Fall. Es hilft schließlich immer Kräfte zu vereinen, um bestimmte Botschaften zu verbreiten. Wir verbinden uns daher gerne mit Vereinen, wenn diese zu uns passen.

Prüfen Sie das vorher?

Ja, wir gucken natürlich vorher immer, ob eine solche Verbindung passt. Ob sie politisch neutral und ökologisch gesund ist. Das spielt bei uns definitiv eine wichtige Rolle.

Viele Profis der Eisbären, von Alba oder Hertha BSC sind häufig im Zoo oder Tierpark. Wie bewerten Sie dieses rege Interesse?

Ich freue mich darüber. Das habe ich schon zu meiner Zeit in München erlebt, und es freut mich, dass es auch hier so ist. Die Spieler von Hertha BSC sind bisher vor Heimspielen morgens durch den Zoo gelaufen, um innere Ruhe zu finden. Es ist schön zu wissen, dass auch Profisportler bei uns Erholung suchen, und ich freue mich natürlich grundsätzlich über Naturverbundenheit. Übrigens: Wenn wir in Berlin das DFB-Pokalfinale haben, sehen wir hier ganz viele unterschiedliche Farben.

Die Eisbären haben die Patenschaft für die Eisbärin Tonja übernommen, Hertha BSC die Patenschaft für Tonjas Tochter. Wie entstehen solche Patenschaften?

Erst einmal bilden Patenschaften für uns die ideale Grundlage einer Verbindung beziehungsweise Zusammenarbeit. Wenn man dann auch noch ein so sympathisches „Bewerbungsvideo“ voller Herzblut erhält, wie wir von Hertha, kann es ganz fix gehen und zwei große Berliner Institutionen verbinden sich. Es muss einfach für beide Seiten passen.

Ist das auch die Verantwortung, die Zoo und Sport gegenüber der Gesellschaft haben?

Sowohl der Sport, als auch ein Zoo verbindet Menschen. Beim Sport ist es der Zusammenhalt in Vereinen, bei uns die Faszination der Natur. Ich finde es wichtig und richtig durch entsprechende Verbindungen diese gesellschaftliche Bedeutung besonders herauszustellen.