Potsdam - Herr Rudolph, am Freitag startet für Sie und Ihr Team mit der Auswärtspartie beim FFC Frankfurt die Bundesliga-Saison. Welche Ziele haben Sie im Klub für die anstehende Spielzeit definiert?
Wir haben im Verein und Vorstand besprochen, dass wir in den nächsten Jahren eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen wollen. Für uns ist es wichtig, in der nächsten Saison guten Fußball zu spielen, die jungen Spielerinnen richtig zu entwickeln und natürlich so viele Siege wie möglich einzufahren.

Wie gehen Sie damit um, dass Ihre Mannschaft einige wichtige Spielerinnen verloren hat?
Wir hätten Svenja Huth, Felicitas Rauch, Amanda Ilestedt und Lisa Schmitz natürlich gern in unseren eigenen Reihen behalten, aber wenn der finanzielle Spielraum und die Attraktivität woanders höher ist, dort die Chance gegeben ist, vielleicht auch international zu spielen, dann ist es schwer für uns, diese Spielerinnen zu halten. Bayern und Wolfsburg haben auch ein Vielfaches an finanziellen Mitteln zur Verfügung. Der Trend ist so, das sieht man auch bei anderen Vereinen in der Bundesliga, dass viele Spielerinnen sich eher diesen Mannschaften anschließen.

Besonders schmerzhaft muss der Abgang von Svenja Huth sein.
Svenja Huth hat über Jahre absolute Topleistung für Turbine Potsdam gebracht. Sie hat sich hier zu einer Topspielerin entwickelt. Sie hat für den Verein herausragende Leistung gebracht und ihr Verlust wiegt natürlich schwer. Sie hinterlässt große Fußspuren, die erst mal von jüngeren Spielern gefüllt werden müssen. Dementsprechend sind wir auch traurig darüber, dass sie sich eben für Wolfsburg entschieden hat, obwohl sie emotional sehr an Potsdam und dem Verein hier gehangen hat.

Wie will Turbine mit dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg mithalten, wenn Spielerinnen wie Huth oder aber auch Amanda Ilestedt zu diesen direkten Konkurrenten wechseln? 
Wir versuchen, das Bestmögliche aus dem, was die Region, die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg zu bieten haben, herauszuholen, um gerade auch im wirtschaftlichen Bereich mit diesen Mannschaften mithalten zu können. Wir versuchen alles, damit der finanzielle Abstand nicht zu groß wird.

Und Turbine setzt weiter auf Talente?
Das haben wir schon immer gemacht. Solange ich Turbine Potsdam kenne, gab es immer wieder Phasen, in denen gleich mehrere Nationalspielerinnen den Verein verlassen haben. Es war immer ein probates Mittel von Turbine Potsdam, und das ist auch eine unserer größten Säulen im Verein, dass wir auf den eigenen Nachwuchs setzten. Wir haben über Jahrzehnte bewiesen, dass wir junge Spielerinnen richtig gut ausbilden und zu Nationalspielerinnen machen können.

Sie haben ja bestimmt mit großer Aufmerksamkeit die WM in Frankreich verfolgt. Wie bewerten Sie als Trainer den Auftritt der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft?
Die große Enttäuschung für mich ist nicht das Ausscheiden in Viertelfinale, sondern letztendlich, dass man die Qualifikation für Olympia verpasst hat. Für ein Turnier, dass einen viel höheren Wert hat als das olympische Turnier der Männer. Man hat bei der WM gesehen, welch große Resonanz der Frauenfußball wieder hatte, auch hier im Fernsehen, und das geht uns im nächsten Jahr verloren. Das ist natürlich nicht gut für den deutschen Frauenfußball.

Was muss passieren, damit der Fußball hierzulande wieder erfolgreicher wird?
Der Frauenfußball in Deutschland hat weiterhin einen ganz großen Stellenwert in Europa. Andere Ligen haben aber aufgeholt. Es gibt nicht mehr nur die Bundesliga.