Berlin - Gabor Kiraly, 40, hat nach dem 108. Länderspiel für Ungarn seine internationale Karriere beendet. Im Sommer avancierte er in Frankreich zum ältesten Teilnehmer einer Europameisterschaft. Im Interview erzählt Kiraly, von 1997 bis 2004 bei 198 Bundesligaspielen einer der charismatischsten Profis bei Hertha BSC, über Berlin und seine Kulthosen.

Herr Kiraly, wie emotional war der Abschied vom internationalen Fußball im Spiel Ungarn gegen Schweden in Budapest?

Naja, meine Entscheidung, die Länderspielkarriere zu beenden, war lange gefallen. Ich war innerlich deshalb vorbereitet. Mein Körper sendete einige Signale. Es ging sehr emotional zu. Es war eine schöne Feier, die Fans haben gejubelt, mein früherer Hertha-Trainer Jürgen Röber war extra aus Ankara nach Budapest gekommen. Und ich bin ohne Gegentor geblieben.

Das Spiel endete 0:2. Aber Sie sind rechtzeitig abgetreten.

Ja, ich habe nur die ersten 28 Minuten gespielt, dann hat mich Bernd Storck ausgewechselt und mir das Bad in der Menge gegönnt. Da stand es noch 0:0.

Sie sind mit 108 Länderspielen nun der Rekordspieler Ungarns. Was bedeutet Ihnen das?

Rekorde sind da, um sie zu brechen. Jetzt liege ich vorn und bin auch stolz, aber irgendwann wird ein Spieler vorbeiziehen.

Ragen einige Länderspiele besonders heraus?

An mein erstes Länderspiel 1998 erinnere ich mich besonders gern. Wir gewannen 3:2 gegen Österreich. Ich habe einen Elfmeter von Toni Polster gehalten. Das war ein Super-Einstand. Ich bin dankbar, dass ich in diesem Jahr noch die Europameisterschaft mit unserer jungen Mannschaft spielen konnte. Ein tolles Erlebnis.

Wie viele Nationaltrainer haben Sie denn erlebt?

Einen Augenblick, da muss ich nachdenken. Acht, darunter Erwin Koeman, Lothar Matthäus, Sandor Egervari, Pal Dardai und zuletzt Bernd Storck.

Wie sehen Sie die sieben Jahre bei Hertha BSC, in denen sie sogar die Champions League erreichten?

Ich bin mit 21 Jahren nach Berlin gekommen und mit 28 gegangen. Das war meine erste Station im Ausland, die ich nie vergessen werde. Ich habe viel gelernt bei Hertha und mit tollen Profis gespielt. Hertha war ganz wichtig für mich. Später spielte ich bei Bayer Leverkusen und 1860 München und in England bei Crystal Palace und in Burnley. Ich wollte immer viel lernen, viel erleben und habe tatsächlich sehr viel erlebt.

Wie geht es jetzt sportlich weiter?

Ich spiele bei meinem Heimatverein Haladas Szombathely in der obersten ungarischen Liga. Ich habe dort einen Zweijahresvertrag bis 2019 und gehe in meine 24. Saison als Profi. Wir bekommen ein neues Stadion, und ich bin sehr motiviert. Meine Familie, meine Frau Zsanett und meine zwei Kinder, unterstützen mich dabei.

Zudem sind Sie Besitzer und Betreiber eines großen Sportzentrums?

Ja, das wurde vor 13 Jahren gebaut und ist weiter gewachsen. Da gibt es Hallen und Plätze, eine Torwartschule und bald ein kleines Reha-Zentrum. Ich habe dort 20 Trainer, darunter sechs Torwarttrainer. Und sieben Leute in der Administration.

Sie haben einen eigenen Verein?

Ja, den Kiraly Szabadidösport Egyesület. Wir spielen in der vierten Liga, der Regionalliga. Alle sind ehrgeizig bei der Sache.

Immer war die lange graue Schlabberhose Ihr Markenzeichen. Die vermarkten Sie jetzt?

Seit April, meinem 40. Geburtstag, habe ich eine eigene Kollektion für Fußballklamotten. Dort gibt es natürlich die Schlabberhose, aber auch T-Shirts, Pullover, Trikots, Torwarthandschuhe. Das Label heißt „K1raly“ mit einer 1 als i. Die Geschichte läuft sehr gut.

Wann trugen Sie denn zum ersten Mal diese nicht sehr modische Hose in einem Spiel?

1994 in Szombathely. Unser Zeugwart hatte die schwarzen Hosen vergessen und nur noch graue lange Hosen für die Keeper. Ich habe die dann angezogen und wir haben neun Spiele in Serie gewonnen und die Klasse gehalten. Seitdem konnte ich mich nicht mehr trennen von diesen Hosen.

Wann sehen wir Sie wieder einmal in Berlin?

Ich verfolge alle meine ehemaligen Vereine in den Medien, telefoniere in Berlin oft mit Pal Dardai und Torwarttrainer Zsolt Petry. Auch mit Nello di Martino und meinem alten Torwarttrainer Enver Maric halte ich Kontakt. Vielleicht bin ich im März 2017 beim Abschiedsspiel für Marcelinho dabei. Natürlich mit Schlabberhose.