Ab sofort in einem Team: Jürgen Klinsmann und Hertha-Boss Werner Gegenbauer.
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BerlinVier Plätze im neunköpfigen Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA darf Lars Windhorst nach seinem Gutdünken besetzen. Was rechnerisch durchaus Sinn macht, hält der 42 Jahre alte Unternehmer über die Tennor Holding B. V. inzwischen 49,9 Prozent an der Profiabteilung des Klubs. Einer seiner Kandidaten ist, wie am Donnerstagabend bekannt wurde, Jürgen Klinsmann. Schon beim Ligaspiel zwischen Hertha und RB Leipzig im Olympiastadion wollen die beiden am Sonnabendnachmittag mit einem gemeinsamen Auftritt diese Verabredung zur Schau stellen. Eine Bestätigung für Klinsmanns neue Berufung kam von dessen Berater Roland Eitel, Hertha BSC hingegen wollte die Personalie erst mal nicht kommentieren.

Klinsmann, 55, gilt als Querdenker, als Erneurer, seit er in seiner Funktion als Bundestrainer dem deutschen Nationalmannschaftsfußball auf die Sprünge half und als Impresario die Heim-WM 2006 in ein Sommermärchen verwandelte. Insofern scheint die Idee, den Wahlkalifornier bei Hertha in die Verantwortung zu nehmen, erst mal gar nicht so abwegig zu sein. Zumal er ja auch über seinen Vater Siegfried, der in Eberswalde aufwuchs und von Kindesbeinen an für die Blau-Weißen schwärmte, eine gewisse Bindung zur Hertha hat. Klinsmann ist Klubmitglied, war in den vergangenen Jahren häufiger in der Stadt zu Gast, vor allem weil sich sein Sohn Jonathan - letztlich ohne Fortune - von 2017 bis 2019 als Torwart beim Hauptstadtklub versuchte. 

Als Bayern-Trainer krachend gescheitert

Nun stellt sich die Frage, wie sich der ehemalige Nationalspieler bei Hertha einbringen will und soll. Als Everybody's Darling, der nach innen als Sozial- und nach außen als Öffentlichkeitsarbeiter in Erscheinung tritt, kommt er nur bedingt in Frage. Dafür wirkt er trotz seines durchweg freundlichen Auftritts einfach zu distanziert. Also als sportlicher Ratgeber? Nun - dahingehend gibt es inzwischen doch ein paar Zweifel an seiner Kompetenz. Der spieltaktische, im Jahr 2004 initiierte Relaunch der Nationalelf wird inzwischen wohl zurecht seinem damaligen Assistenten Joachim Löw zugerechnet.

Beim FC Bayern scheiterte er krachend als Klubtrainer. Als Nationalcoach der US-Auswahl versuchte er sich fünf Jahre lang vergeblich daran, das Team an die Weltspitze heranzuführen, wurde im November 2016 schließlich beurlaubt. Und auch als TV-Experte bei RTL blieb er den Nachweis schuldig, dass er in der Analyse eines Spiels der DFB-Auswahl etwas mehr zu bieten hat als das übliche Taktik-Kauderwelsch. Einen gewissen Glanz, so viel steht fest, dürfte er Hertha BSC aber allemal verleihen. Immerhin.