Es war eine stimmungsvolle Kulisse im Berliner Jahnsportpark beim Duell des BFC Dynamo gegen den 1. FC Lok Leipzig. 2526 Zuschauer sahen ein 3:1 (2:0) in einer Partie, die es so vielleicht in den kommenden Jahren nicht mehr geben wird.

Denn bei der bevorstehenden Regionalliga-Reform, die am 8. Dezember auf einem außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes auf den Weg gebracht werden soll, ist eine Zerschlagung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) noch nicht vom Tisch. Wenn Sachsen und Thüringen künftig in Süddeutschland spielen müssen und die übrigen NOFV-Mitgliedsverbände dem Norden zugeschlagen werden, sind solche Traditionsduelle wie gestern im Cantian Vergangenheit.

Händeringend wird nach einem Modell gefahndet, das allen Meistern den direkten Aufstieg garantiert. Der Knackpunkt nach wie vor: Die Dritte Liga will einer Erhöhung der Absteigerzahl nur zustimmen, wenn denen die Möglichkeiten zum sofortigen Wiederaufstieg gegeben ist. Das geht nur bei einer vierstaffeligen vierten Liga. Mit Händen und Füßen wehrt sich der NOFV gegen alle Bestrebungen, die das Erfolgsmodell der eigenständigen Regionalliga Nordost gefährden würden.

Zukunftsmusik. Aber dieser Tage wird mehr darüber diskutiert, als über die möglichen Resultate in den einzelnen Spielklassen. Dazu haben Dynamo und auch die Konkurrenz schon einen viel zu großen Punkterückstand auf Energie Cottbus, das am Sonnabend zu Hause Viktoria 89 1:0 bezwang.

Dabei gab es rund ums Spiel des BFC am Sonntag genug Diskussionsstoff. Beispielsweise darüber, ob man später hätte anpfeifen müssen, weil einige Hundert Lok-Fans angeblich mit zu wenigen Fahrkarten und dafür umso mehr Alkohol intus in Leipzig aus dem Zug geschmissen worden waren und verspätet in der Hauptstadt anzukommen drohten.

Später angepfiffen wurde dann doch. Aber nur weil BFC-Moderator Carsten Valentin bei seiner Trauerrede für den letzten Sonntag verstorben Vladimir Guwa ergriffen ins Stocken geriet.

Interner Klärungsbedarf

Diskussionsbedarf hatten dann die Gäste, als Rufat Dadashov im Strafraum umgerissen wurde. Den kümmerte das wenig. Er verwandelte eiskalt vom Punkt, obwohl ja einer alten Regel zufolge der Gefoulte nie schießen soll (28.). „Ich glaube halt nicht an diese Regel“, sagte der 26-Jährige mit einem breiten Grinsen.

Kurz vor der Pause ließ der Aserbaidschaner nach feinem Zuspiel von Bilal Cubukcu Lok-Torhüter Benjamin Kirsten keine Chance (44.) und eroberte mit seinem 13. Saisontreffer die Spitze der Torschützenliste in der Regionalliga Nordost.

Betriebsintern könnte es beim BFC noch Klärungsbedarf geben. Beispielsweise bei Joey Breitfeld, der von Matthias Steinborn total übersehen worden war nach 62 Minuten. Auch Keeper Bernhard Hendl dürfte an seine Vorderleute noch die Frage haben, wieso Christian Hanne völlig frei einköpfen konnte (81.).

Das Leipziger Ehrentor war allerdings letztlich unerheblich, weil Steinborn zuvor nach einem hanebüchenen Abwehrschnitzer der Gäste für die Entscheidung gesorgt hatte (69.).