Bad Kleinkirchheim - Scherzen, abklatschen, anfeuern – die drei Torhüter des 1. FC Union bilden mit ihrem Coach Dennis Rudel ein Team im Team. Sie hechten in ihrem Eck auf dem Sportplatz des FC Bad Kleinkirchheim von Pfosten zu Pfosten, werfen sich einen Tennisball zu und heben Gewichte. „Es ist ein harmonisches Arbeiten“, freut sich Rudel, „es macht Spaß mit den Jungs.“ Und doch hat die verschärfte Konkurrenzsituation zwischen Jakob Busk und Daniel Mesenhöler Folgen. „Man merkt, dass die Antennen von den Jungs rausgehen und sie sich gegenseitig beobachten“, sagt der Torwarttrainer.

Im März 2015 wurde der heute 40-Jährige als Modernisierer der Torhüterschulung nach Köpenick geholt, jetzt ist er erstmals zudem als Moderator gefordert. An seiner Seite hat er in Michael Gspurning einen mächtigen Gehilfen. „Eine Stimmungskanone“, wie ein österreichischer Journalist am Spielfeldrand anmerkt. Gerade imitiert der 36 Jahre alte Keeper Nummer drei lustige Berufskollegen, deren Videos durch das Internet geistern. Mesenhöler lacht, Busk sammelt Bälle ein.

Vergangenes Jahr war das Verhältnis noch klar: „Als ich herkam hatte Jakob einen Vorsprung“, erinnert sich Daniel Mesenhöler, der zu Beginn der letzten Saison als Vertreter für Busk vom 1. FC Köln abgeworben worden war.

Viel Erfolg bis zur Verletzung

Der Vorsprung betrug 14 Spiele. Busk, im Winter zuvor verpflichtet, hatte Daniel Haas sofort aus dem Tor vertrieben. „Die eineinhalb Jahre bis jetzt in Deutschland waren sehr gut, ich hatte viele positive Erlebnisse und viel Erfolg“, sagt der Däne. Als er Haas ablöste war Union auf Rang 13, die Saison beendete das Team als Sechster. Haas ging, Busk behielt die Rückennummer 22, der Erfolg hielt an. Union stand auf Platz drei, als sich Busk am Oberschenkel verletzte und drei Partien aussetzen musste. Drei Siege später fand sich Busk auf der Bank wieder, die Vorzeichen haben sich verändert.

„Die Position, die ich mir in den letzten zwölf Spielen erarbeitet habe, will ich natürlich nicht wieder hergeben“, sagt Mesenhöler, 21 Jahre alt. Busk, 23, ist überzeugt: „Ich bin der richtige Mann für unsere Mannschaft.“ Und Cheftrainer Jens Keller setzte das Duell zum Trainingsauftakt offiziell auf den Ausgangswert null: „Jakob ist ja nicht aus Leistungsgründen aus dem Tor geflogen“, verkündete er.

Zwei ehrgeizige Torhüter, die nicht warten wollen – das birgt Gefahr. Unvergessen ist bei Union die bitterböse Konkurrenz zwischen Jan Glinker und Marcel Höttecke. Als das Duo einst im Trainingslager in Oberhof auf dem Fahrrad ein gleichmäßiges Tempo anschlagen sollte, fertigte Glinker den Konkurrenten in Zeitfahrermanier ab. Den Höhepunkt erreichte die Rivalität ein Jahr danach, als am 5. August 2011 beim 3:0 gegen Paderborn weder der eine noch der andere im Tor stehen konnte. Beide hatten sich in ihrem Ehrgeiz bei Treppenläufen verletzt.

Soweit, das ist schon klar, wird es nun nicht kommen. Das ist zum einen der Tatsache zu verdanken, dass Rudel fortschrittlichere Trainingsmethoden wählt und zum anderen dem ausgleichenden Element namens Gspurning. Parallel zu seinen Verpflichtungen als dritter Torwart lässt er sich zum Trainer ausbilden. „Er hat viel Erfahrung und die Vaterrolle inne. Er unterstützt uns auch außerhalb des Sports“, sagt Busk. Auch Mesenhöler honoriert „die wichtige Rolle“: „Micha baut uns auf, wenn etwas nicht klappt, er lobt.“

Die Harmonielehre zeigt Wirkung: „Wir wissen beide, dass es Schwachsinn wäre, unseren Zweikampf neben dem Platz fortzuführen“, sagt der eine Kontrahent. „Wir müssen konkurrieren und Gas geben, aber trotzdem einander helfen“, der andere.

Große Leistungsunterschiede waren vergangene Saison nicht zu sehen: Beide waren für ihr Alter gut, aber nicht herausragend, zeigten Paraden und Unsicherheiten im Wechsel. Fortan will Rudel mit Hilfe einer Stroboskobbrille die Reaktionsgeschwindigkeit und Konzentrationsfähigkeit der Schlussmänner verbessern. Die LCD-Brillengläser sind mal durchsichtig und mal nicht, können flackern oder auch ein Auge ganz verschließen.

Nur eine Sache kann die Brille nicht: feststellen, wer der bessere Torhüter ist. Letztlich ist es wohl eine Typfrage. Mesenhöler ist der ruhigere, Busk der impulsivere.