James Sheppard (l.) ist für die Eisbären so wichtig, weil er seinen wuchtigen Körper intelligent einsetzt.
Foto: Mathias Renner/City-Press

BerlinViele Eishockeyspieler werden auf ein Normalmaß geschrumpft, wenn sie sich ihrer Kluft entledigt haben. Nicht wenige wirken regelrecht schmächtig ohne Protektoren, Schlittschuhe und Helm. Bei James Sheppard, 31, ist das anders. Der kanadische Center, 102 Kilo schwer, 188 Zentimeter groß, wirkt selbst mit T-Shirt und Sporthose hünenhaft.

Alleine dieses wuchtige Erscheinungsbild ist nicht der Grund für die Präsenz, die er auf dem Eis vermittelt.  Aber Sheppard weiß seinen Körper einzusetzen, um seinen Willen durchzusetzen, seine Nebenleute einzusetzen, unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auch im Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt am Freitagabend (19.30 Uhr) wird er zu den Schlüsselspielern des EHC-Spiels gehören. Trainer Serge Aubin sagt: „Er macht sehr viele gute Sachen, obwohl er in den Statistiken nicht ganz oben steht. Er ist kaum aufzuhalten. Ich bin nicht überrascht, dass er jetzt auch trifft.“

Sheppard trifft viermal im neuen Jahr

In zwei der vier Spiele im neuen Jahr, gegen München und Köln, schoss er jeweils zwei Tore. Beim 4:3 nach Verlängerung  am Rhein am Sonntag, als die Eisbären zwischenzeitlich eine 3:0-Führung aus der Hand gegeben hatten, sorgte er für die Entscheidung.  Als Torjäger versteht er sich trotz seiner 13 Treffer in dieser Saison nicht. „Ich bin ziemlich oft im richtigen Moment am richtigen Platz. Aber ich kann längst nicht so gut schießen wie Backman (Sean, derzeit verletzt; d. Red.) oder Leo (Pföderl; d. Red.). Im Gegensatz zu den schussgewaltigen Kollegen müsse er seinen Körper „relativ nah ans Tor bringen“, scherzt Sheppard.

In den zweieinhalb Spielzeiten, die der 431-fache NHL-Profi nun schon für die Berliner absolvierte, machte sich Sheppard  unverzichtbar, weil er seine Nebenleute optimal in Szene setzt. In seiner ersten Saison brillierten Nick Petersen und Backman, nur ein Sieg fehlte zum Titel. Nach der vergangenen Saison, die „einen schlechten Geschmack im Mund“ hinterlassen hat, bereitet er nun − wenn er nicht gerade selbst trifft − für Pföderl und Topscorer Marcel Noebels vor. „Die Reihe funktioniert hervorragend“, sagt Aubin.

Und es ist davon auszugehen, dass Sheppard weiter aufdreht. „Die Hauptrunde ist dazu da, um in Form zu kommen. Aber für die Play-offs spielst du Eishockey.“ Dass Ingolstadt als Sechster den Eisbären Platz vier streitig machen will, kommt als  Vorgeschmack auf die K.-o.-Phase richtig. „Das wird intensiv.“ Vor allem für Gegenspieler, die Sheppards Wucht zu spüren bekommen.