Jaron Siewert  hat sich in Essen für die Füchse Berlin empfohlen.
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BerlinEs wirkte schon etwas wie gute Miene zum schlechten Spiel. Das Lächeln von Velimir Petkovic schien ungewohnt gequält am Dienstag. Verständlich, schließlich hatte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning kurz zuvor bekanntgegeben, dass der 63-Jährige ab der nächsten Saison nicht mehr das Traineramt innehaben wird. Ein Entschluss, der wenig überrascht, da Petkovics Vertrag im Sommer nächsten Jahres ausläuft und der Hauptstadt-Klub den eigenen Erwartungen seit einiger Zeit hinterherläuft.

Ebenso wenig überrascht der Nachfolger: Jaron Siewert. Es ist schon lange ein offenes Geheimnis, dass der gebürtige Berliner eines Tages bei den Füchsen das Ruder übernehmen soll. Die Frage war bisher nur: wann? Jetzt hat sich dieses Fragezeichen aufgelöst.

Lob von Kretzschmar

„Seine Klarheit und sein Handballsachverstand haben mich davon überzeugt, dass er in den kommenden Jahren die richtige Wahl für die Füchse Berlin ist“, erklärte Sportvorstand Stefan Kretzschmar die Entscheidung. Und führte aus: „Er besitzt Persönlichkeit und trotz seines jungen Alters eine beeindruckende Reife.“

Siewert war bereits mit 23 Jahren der jüngste Profi-Coach Deutschlands und hat seitdem bewiesen, dass sein Alter nicht gegen eine erfolgreiche Trainerkarriere spricht. In den letzten zwei Jahren hat er die TUSEM Essen vom strauchelnden Zweitligisten zum Aufstiegskandidaten entwickelt und dabei so beeindruckt, dass ihn sein Weg nun dahin zurückführt, wo alles begann. „Ich darf nun zu dem Verein, bei dem ich großgeworden bin, nach Hause zurückkehren“, sagt Siewert.

Geboren und aufgewachsen in Reinickendorf, spielte Siewert seit seiner Kindheit für die Füchse, wurde mit der U18 Europameister und absolvierte mit 19 Jahren sein erstes Spiel für die Profis. Trotzdem legte ihm sein damaliger Jugendtrainer und baldiger Geschäftsführer Hanning nahe, den aktiven Sport zu verlassen. „Ich habe ihm gesagt, dass er vielleicht in der zweiten Liga spielen könnte“, erzählt Hanning, „für mehr hätte es aber nicht gereicht. Doch so viel Verständnis für den Handball habe ich selten bei einem jungen Menschen erlebt.“ Siewert nahm sich den Ratschlag zu Herzen, wechselte mit nur 20 Jahren an die Seitenlinie und coachte sich durch verschiedene Jugendmannschaften bis nun in die Bundesliga.

Petkovics Zukunft

Bis Siewert loslegt, will Velimir Petkovic nicht nur die Stellung halten. Ein Titel dürfte es nach drei Jahren in der Verantwortung gerne noch sein zum Abschied. Und wer weiß, vielleicht findet sich bei den Füchsen auch eine andere Anstellung für ihn. Berlin sei jedenfalls mittlerweile sein Lebensmittelpunkt – mit oder ohne Füchse.