Am Sonnabend trat Jens Härtel mit seiner Magdeburger Mannschaft, dem Drittliga-Aufsteiger, gegen Tabellenführer Dynamo Dresden an. Das Spiel, das 2:2 endete und Dresden zum Aufstieg verhalf, wurde von Krawallen begleitet. Den Trainer Härtel nervt vor allem die Berichterstattung über die Randalierer. Schließlich droht dabei unterzugehen, wie erfolgreich der frühere Abwehrspieler des 1. FC Union als Trainer arbeitet. Im Gespräch erzählt Härtel von Freuden, Leiden und Denken eines Fußballlehrers.

Was überwiegt nach dem Wochenende: die Freude, dem Aufsteiger Dresden ein 2:2 abgetrotzt und ordentlich gespielt zu haben oder der Frust, eine 2:0-Führung schnell aus der Hand gegeben zu haben?

Es ist immer so, dass man nach mehr strebt. Wir haben eine Stunde unseren besten Fußball gespielt. Da ist es schon sehr bitter, dass es dann doch nicht gereicht hat. Also ist beides dabei: ein bisschen Niedergeschlagenheit, aber auch Stolz.

Haben Sie nach drei Niederlagen und zuletzt zwei Unentschieden Hoffnung, dass es noch für den Aufstieg reichen kann?

Wenn man realistisch ist, ist das im Moment zu weit weg. Wir haben es auch nicht mehr in der eigenen Hand, da müssen auch noch andere mitspielen. Mit den beiden Punkten mehr wäre die Situation vielleicht noch anders gewesen.

Wie sehr hat es Sie geärgert, wie die Dynamo-Hooligans mit Rauchbombe und Bengalos das Spiel gestört haben?

Die Rauchbombe fiel ja nach dem 2:2. Das hat mit Fußball nichts zu tun. Das wollen wir nicht sehen. Viele Journalisten schreiben hinterher entsprechende Geschichten. Das ist ärgerlich, weil sich die vielen positiven Aspekte dieses Fußballspiels danach nicht mehr in der Öffentlichkeit wiederfinden, sondern allein das Negative.

Werden Sie nächste Saison weiter in Magdeburg arbeiten?

Mein Vertrag verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn wir im dritten Jahr, also nächste Saison, auch Dritte Liga spielen.

Sehen Sie eine Chance, dass Sie in Magdeburg künftig einen erfolgversprechenderen Etat zur Verfügung gestellt bekommen, nachdem Sie mit den vergleichsweise wenigen 2,4 Millionen Euro so gut abschneiden?

Es wird ein bisschen mehr Geld da sein. Aber es wird nicht so sein, dass wir auf einmal mit dem Etat im oberen Drittel der Liga liegen werden. Umso mehr wird es darum gehen, die richtigen Leute zu verpflichten. Das ist die Kunst. Es gibt hier niemanden, der die Schatulle aufmacht und eine Million gibt, damit wir ganz oben mitspielen.

Aber nach so einer Saison schielen Sie eher nach oben?

Das Umfeld erhofft sich das natürlich. Aber erst wenn wir in der Dritten Liga nach unten abgesichert sind, können wir uns noch höhere Ziele setzen. Natürlich will niemand zehn, 15 Jahre Dritte Liga spielen.

Neulich hieß es in der Zeit, dass Sie zwar bei all Ihren Stationen Erfolg hatten, aber trotzdem von Kollegen aus Ihrem Trainerlehrgang überholt worden sind, vom Leverkusener Roger Schmidt, dem Augsburger Markus Weinzierl oder Joachim Löws Assistenz-Trainer Thomas Schneider.

Was heißt überholt? Jeder hat eine individuelle Geschichte, eine andere Biografie, ein anderes Netzwerk. Ich bin zufrieden in Magdeburg, ich habe diesen anspruchsvollen Traditionsverein zum ersten Mal nach der Wiedervereinigung in den Profi-Fußball geführt und dort gehalten. Mir macht es hier Spaß, und warten wir doch mal ab, ob da noch irgendwo andere Türen aufgehen.

Hatten Sie mal, wie das in der Zeit unterstellt wird, den Eindruck, dass es Trainer aus dem Osten auch über 25 Jahre nach der Wende noch schwerer haben, sich im deutschen Profifußball durchzusetzen?

Das ist da schon etwas sehr einfach strukturiert dargestellt worden. Je tiefer die Liga, desto eher stammt ein Trainer aus derselben Region wie sein Klub. Das gilt bundesweit. Im Moment sind nicht ganz so viele Trainer aus dem Osten im Profifußball unterwegs.

Haben Sie bedauert, dass Sie etwa zu schnell vom Berliner AK weiter gewechselt sind?

Nein, auf keinen Fall. Ich habe mal in Schöneiche in der Verbandsliga angefangen, und wir sind in die Oberliga aufgestiegen, haben dort die Klasse gehalten. Da hatte ich mit diesem Verein alles erreicht, was man erreichen konnte. So war es auch später beim Berliner AK. Der Schritt in die Regionalliga war richtig. Aber ich denke eher nicht, dass es dort große Möglichkeiten gibt, dauerhaft Dritte Liga zu spielen. Da sind die Rahmenbedingungen in Magdeburg besser.

In Leipzig haben Sie die U19 ohne eine einzige Niederlage in die Bundesliga geführt. Hatten Sie sich in der Jugendabteilung von RB bessere Aufstiegsmöglichkeiten versprochen?

Das war einfach eine Facette, die mir als Trainer fehlte: In einem professionellen Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten und dort Einblicke zu gewinnen. Da habe ich in Leipzig gute Erfahrungen sammeln können. Ausschlaggebend war unser 4:0 im DFB-Pokal mit dem BAK gegen Hoffenheim. Durch den Sieg bin ich bei Ralf Rangnick in den Fokus geraten, weil es wohl nicht so einfach gegen uns war, wie sie sich das vorgestellt hatten (lacht).