Sein Herz schlägt jetzt für Hertha BSC: Jhon Cordoba.
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BerlinImmer wieder hallten die Kommandos von Cheftrainer Bruno Labbadia und seinen Assistenten über den Trainingsplatz. „Schneller, Dodi!“ oder „Geh drauf, Kris!“ Am Dienstagvormittag waren die alteingesessenen Stürmer von Hertha BSC beim Training noch unter sich. Der Pole Krzysztof Piatek, der Belgier Dodi Lukebakio und ihre Mitstreiter übten knapp 100 Minuten vor allem Standardsituationen.

Vielleicht schon am Mittwoch werden sie einen neuen Profi in ihrer Mitte begrüßen können: den Kolumbianer Jhon Cordoba, zuletzt drei Jahre in Diensten des Liga-Konkurrenten 1. FC Köln. Während Labbadia am Dienstag die Übungsstunde leitete, landete der 27 Jahre alte Mittelstürmer in Berlin-Tegel. Chefscout Sven Kretschmer holte ihn ab. Danach stand der obligatorische Medizincheck auf dem Programm. Die Unterschrift von Cordoba unter einen Vierjahresvertrag bei Hertha BSC erfolgte am frühen Abend. Er wird die Rückennummer 15 tragen. "Ich will mein großes Potenzial bei Hertha einbringen", sagt er.

Cordoba soll eine Ablöse von 15 Millionen Euro kosten

Der bullige Mann, 1,88 Meter groß und 85 Kilo schwer, dem vor allem eine enorme Physis, aber auch Schnelligkeit und ein unbändiger Wille nachgesagt werden, soll eine Ablöse von rund 15 Millionen Euro kosten. Allerdings hat der Deal mit Köln noch eine andere Seite. Im Gegenzug soll Herthas Mittelfeldmann Ondrej Duda, 25, nach Köln wechseln und eine Ablöse von etwa 8,5 Millionen Euro einbringen. Beide Transfers werden wohl miteinander verrechnet. Duda, der zuletzt an den Premier-League-Absteiger Norwich City ausgeliehen war, zeigte in Berlin sein durchaus großes Potenzial viel zu selten, kam seit 2016 lediglich auf 59 Einsätze und zwölf Tore. Am Dienstag aber war der Slowake noch beim Training auf dem Schenckendorffplatz dabei – wohl sein letzter Auftritt im Kreis der Berliner Profis.

Labbadia hatte sich für den Angriff noch einen „Typen mit Durchsetzungsvermögen“ gewünscht und am Montag in Sachen Transfers allgemein geäußert: „Wenn jemand Tore schießt, nehmen wir ihn sehr gern.“ Und als Herthas Sportdirektor Arne Friedrich am Sonntag im RBB-Podcast nach Cordoba gefragt wurde, sagte er: „Natürlich würde er zu uns passen. Solch einen Typ Stürmer hat Hertha nicht.“

Cordobas Zeit in Köln kann man vielleicht unter der Überschrift „Vom Fehleinkauf zur Tormaschine“ stellen. Als er von Mainz 05, wo er in zwei Spielzeiten lediglich je fünf Treffer erzielte, für stattliche 17 Millionen Euro nach Köln ging, geriet er in ein labiles Ensemble, das den sportlichen Zenit überschritten hatte. Beinahe permanent gab es zudem Streit in der Führungsetage, und mittendrin in dieser krisenhaften Situation stand Cordoba, der die Nachfolge des nach China abgewanderten Anthony Modeste antreten sollte. Der Kolumbianer fand unter diesem Erwartungsdruck nicht zu seiner Form, wurde sogar von den Fans ausgepfiffen. Von einem Fehleinkauf war die Rede. Nach dem Abstieg aber zeigte Cordoba zuerst in der Zweiten Liga sein Können, schaffte 20 Tore und war maßgeblich am Wiederaufstieg beteiligt. Auch in der Vorsaison gelangen ihm 13 Treffer. Kölns Fans sangen fortan: „Cordoba Jhon – ich hab dich treffen gesehen!“

Cordoba ist der zweite Kolumbianer, der für Hertha in der Bundesliga spielen wird. Anfang September 2009 verpflichtete Manager Michael Preetz, damals neu im Amt, Stürmer Adrian Ramos von America de Cali. Trainer Lucien Favre hatte Ramos, den schlanken, feingliedrigen Typen, nie live gesehen. Aber Herthas Scouts waren seinerzeit vor Ort in Kolumbien und vom leichtfüßigen Angreifer begeistert. Ramos avancierte zu einem der besten Stürmer Herthas in den zurückliegenden zehn Jahren. Seine Bilanz: 92 Spiele und 32 Tore in der Ersten Liga sowie 65 Auftritte und 26 Tore in Liga zwei.

Die Verpflichtung von Cordoba ficht die Stellung von Stürmer-Kollege Krzysztof Piatek nicht an, um den es zuletzt sogar Wechselgerüchte gab. Piatek war im Winter für 23 Millionen Euro vom AC Mailand gekommen, hatte in der Serie A in Mailand und zuvor bei Genua regelmäßig getroffen. In Berlin benötigte er aber eine längere Anlaufzeit. Nun könnte Piatek mit Cordoba und dem Brasilianer Matheus Cunha ein neues, gefährliches Dreieck bilden.