32 Länderspiele absolvierte Joel Pohjanpalo bereits für Finnland.
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Berlin-KöpenickDas Beste kommt bekanntermaßen zum Schluss, und im Fall des Transfers von Joel Pohjanpalo zum 1. FC Union könnte sich diese Weisheit wieder einmal bewahrheiten. Der 26 Jahre alte Mittelstürmer wechselt auf Leihbasis von Bayer 04 Leverkusen zu den Eisernen, die nach eigenen Angaben eine Kaufoption haben. Die dürfte sich in Anbetracht dessen, dass Pohjanpalos Vertrag 2022 ausläuft, im niedrigen siebenstelligen Bereich bewegen.

Nach den beeindruckenden Zugängen Max Kruse (Fenerbahce Istanbul) und Loris Karius (FC Liverpool) ist der Finne so etwas wie das Sahnehäubchen im nun bald vergangenen eisernen Transfersommer. Vor allem deshalb, weil er anstelle des eigentlichen Wunschsspielers Philipp Hofmann (Karlsruher SC) den Weg nach Köpenick gefunden hat. Für Hofmann, der erst in der vorherigen Saison seine durchaus vorhandene Qualität auch in Tore ummünzen konnte, hatte der KSC rund dreieinhalb Millionen Euro Ablöse aufgerufen – etwas mehr als die Hälfte dessen, was die Eisernen vom 1. FC Köln für Stammstürmer Sebastian Andersson bekommen hatten, und folglich zu viel.

Pohjanpalo kommt nun fast kostenlos an die Alte Försterei und hat, im Gegensatz zu Hofmann, seine Qualitäten schon mehrfach unter Beweis gestellt. Im vergangenen Jahr gelangen ihm als Leihspieler des Hamburger SV neun Treffer in nur 14, teils sehr kurzen Einsätzen. In der Saison 2016/17 gelangen ihm in nur 182 Spielminuten sechs Treffer für Leverkusen.

Gerade weil Pohjanpalo in der Vergangenheit vor allem Jokerqualitäten bewiesen hat, passt er so viel besser zum 1. FC Union als Hofmann. Nach dem Transfer von Taiwo Awoniyi (FC Liverpool) hatten die Eisernen gar nicht so sehr Bedarf nach einem Stammstoßstürmer an vorderster Front. Vielmehr sind die Köpenicker nach der Entscheidung kontra Hofmann und pro Pohjanpalo mit ihm, Awoniyi, Kruse, Ingvartsen und dem derzeit weiter verletzten Anthony Ujah weitaus flexibler im Angriff aufgestellt als noch im Vorjahr und haben nun zudem einen im Team, der gegebenenfalls auch spät im Spiel für einen dringend benötigten Treffer sorgen kann. Oder mehrere, wie er mal in einem Spiel gegen (!) den Hamburger SV bewies, als er den Rothosen in 18 Minuten einen Hattrick einschenkte.

Auch deshalb hat Leverkusens legendärer Knipser und Pohjanpalos früherer Mitspieler Stefan Kießling nur lobende Worte für den Finnen übrig. „Er ist ein Typ, der sich für die Mannschaft opfert. Auf dem Platz gibt er immer Gas. Joel ist ein Kampfschwein. Er ist sich für nichts zu schade und geht auch dahin, wo es wehtut“, lobte Kießling den Nationalspieler in der „Hamburger Morgenpost“. Auch der heute 36-Jährige ist von den Jokerqualitäten des 26-Jährigen tief beeindruckt: „Es gibt einfach Spielertypen, die nicht lange brauchen, um auf die richtige Temperatur zu kommen. Joel ist so einer. Er brennt immer. Auch wenn er nur eine Minute spielt, will er auf dem Platz etwas zeigen. Da ist er total fokussiert.“

Pohjanpalo gehört zu einer jungen, selbstbewussten Generation von finnischen Spielern, die zuletzt für den sichtbaren Erfolg des einstigen Fußballzwerges verantwortlich sind. Gemeinsam mit Torwart Lukas Hradecky (ebenfalls Bayer 04 Leverkusen), Abwehrspieler Jere Uronen (KRC Genk), Mittelfeldspieler Glen Kamara (Glasgow Rangers) oder Stürmer Teemu Pukki (Norwich City, früher Schalke 04) sicherte der Torjäger im November 2019 für sein Heimatland erstmals die Qualifikation für ein großes Turnier, in diesem Fall die Europameisterschaft. Er selbst debütierte bereits mit 18 im Nationalteam.

Dabei ist der Neu-Unioner das perfekte Gegenstück zum bullig-ruppigen Pukki im Sturm der Finnen. Trotz seiner Größe von 1,86 Metern zeichnet sich Pohjanpalo durch eine beeindruckende Energie und Beweglichkeit aus, die in Bezug auf die Eisernen bestens mit Max Kruse zusammenpassen würde, wenn der Finne dann doch mal von Beginn an aufläuft.

Ob das im Freitagsspiel gegen den FSV Mainz 05 (20.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) bereits der Fall sein wird oder ob Pohjanpalo gegen die Mainzer überhaupt im Kader steht, ließ Unions Trainer Urs Fischer wie gewohnt offen, erklärte allerdings: „Er ist eigentlich bereit, ins Geschehen einzugreifen.“

Gerade gegen die strauchelnden Gäste vom Rhein dürfte der Schweizer allerdings auf einen gewissen Torhunger setzen, um möglichst schnell den ersten Sieg der Saison sicherstellen zu können. In Anbetracht dessen, dass Pohjanpalo der „Bild“-Zeitung einst zu Protokoll gab, dass er, wenn er nicht treffe, seine Arbeit nicht gut erledigt habe, wäre das frühe Debüt des Finnen, der bei den Eisernen die Knipser-Nummer 9 tragen wird, eigentlich eine wunderbare Idee.