Zwei Spiele können in der Einschätzung einer Play-off-Serie eine Menge ändern. Gut, vor dem Viertelfinale gegen Bamberg galt Alba Berlin als klarer Favorit. Vor dem Halbfinale gegen Ludwigsburg aber fiel die Bewertung der Kräfteverhältnisse nicht ganz so einfach. Ein Grund: Die reguläre Saison hatten die Berliner zwar mit einer Bilanz von 27 Siegen und sechs Niederlagen als bestes Team abgeschlossen, zwei Spiele davon aber ausgerechnet gegen die Ludwigsburger verloren. Selbst die Dreierquoten der Riesen aus ihren bislang absolvierten Spielen wurden als Grundlage dafür genommen, ob sie am Ende als Sieger das Feld verlassen.

Alba Berlin fährt mit 2:0-Führung nach Ludwigsburg

Das sich daraus aber gerade in den Play-offs nicht immer der Ausgang eines Spiels ableiten lässt, zeigte gleich das erste Spiel: Mit der Dreierquote aus dieser Partie hatte Ludwigsburg vorher jedes Mal gewonnen, diesmal aber reichte es nicht zum Sieg. Da das zweite Spiel noch deutlicher an die Berliner ging, liegt Alba vor dem dritten Duell am Freitag (19 Uhr) in Ludwigsburg mit 2:0 in Führung und kann dort bereits den Sack zumachen. So viel zur Aussagekraft der Hauptrundenspiele.

„In den Play-offs sind die Karten neu gemischt, jeder hat die gleiche Zeit zur Regeneration und dann setzt sich das bessere Team am Ende auch durch“, sagt Johannes Thiemann. „In der Saison haben wir diese Doppelbelastung und spielen in der Bundesliga oft gegen Teams, die sich eine Woche vorbereiten können, heiß sind und alle Spielzüge von dir gescoutet haben und du maximal 20 Minuten Zeit zur Vorbereitung hast. Da ist es klar, dass du nicht jedes Spiel gewinnen kannst.“

Trainer Israel Gonzalez legt Wert auf physische Härte

Dennoch ist dem Center von Alba Berlin und seinen Teamkollegen dieser Spagat in dieser Saison besonders gut gelungen. Selbst die Behauptung, man könne Alba Berlin schlagen, wenn man den Rhythmus, den Spielfluss des Teams bricht und auf körperliche Härte setzt, haben Thiemann und der Rest des Teams widerlegt. Bamberg und Ludwigsburg haben es probiert, mehr als ein knappes Ergebnis aber ist nicht herausgesprungen. „Wir wissen ja auch, dass Teams sagen, man müsse unseren Rhythmus brechen – es ist klar, dass wir uns darauf auch vorbereiten und versuchen, das zu verhindern und Teams kein einfaches Rezept geben, uns zu schlagen“, so der Nationalspieler. „Gerade in diesem Jahr sind wir noch mal physischer und härter geworden.“

Ein Hauptgrund dafür sei aus seiner Sicht, dass Cheftrainer Israel Gonzalez etwas mehr Wert auf das physische Spiel lege, als dessen spanischer Landsmann Aito Garcia Reneses zuvor. „Von daher können wir da gut mithalten und haben kein Problem, wenn es mal physischer wird“, sagt Thiemann und geht davon aus, dass Alba das am Freitag noch einmal in Ludwigsburg beweisen muss: „Die werden auf jeden Fall noch einmal alles reinwerfen, es ist ja ihre letzte Chance, die Serie zu verlängern.“