BerlinDie vergangenen zwei Wochen verbrachte Johannes Thiemann recht einsam. Alba Berlins Center traf die Quarantäne allerdings anders als seine Mitspieler: Er stand plötzlich allein in der Trainingshalle. Eine Gesäßmuskelverletzung hatte den Nationalspieler schon ein paar Tage vor der Abreise zum Euroleague-Spiel nach Moskau vom Rest der Mannschaft getrennt. Im Nachgang sollte sich das als kleiner Glücksfall herausstellen. „So eine Verletzung ist nie gut und ich wäre lieber nicht verletzt, aber es gab wirklich keinen günstigeren Zeitpunkt, als sich kurz vor dem Moskau-Trip zu verletzen“, sagt er.

Keine erhöhte Ansteckungsgefahr bei Thiemann

Denn: Anders als die Personen, die die Reise in die russische Hauptstadt angetreten hatten, musste er anschließend nicht in häusliche Quarantäne. Beim Rest aber wurden aus anfänglich einem positiven Testergebnis schnell sechs und dann sogar insgesamt sieben Fälle. „Ich war auch echt verwundert, dass es dann doch so schnell geht. Dass man erst einen Positiven hat und eine Woche später sind es sieben. Das fand ich erschreckend. Zum Glück waren bei uns alle relativ fit und es hat niemanden so richtig schwer erwischt“, so der Center. Dadurch, dass er aber schon ein paar Tage vorher mit dem Mannschaftstraining ausgesetzt und keinen direkten Kontakt hatte, bestand für ihn keine erhöhte Ansteckungsgefahr.

Da seine Tests negativ ausfielen, konnte Thiemann sein Rehaprogramm fortsetzen. Ganz allein in der Trainingshalle in der Schützenstraße. „Ich hatte auch keinen Kontakt zu den Nachwuchsspielern, weil da ein Risiko dabei ist, dass es einer von ihnen haben könnte“, erzählt er. Gemeinsam mit einem Athletiktrainer, der nicht mit nach Moskau gereist war, wurde an der Genesung trainiert und mit den Physiotherapeuten gearbeitet. Aber eben ohne Mitspieler: „Das war sehr komisch“, so der Nationalspieler, „auf der anderen Seite ist es aber auch gut, weil man zu 100 Prozent auf seine Regeneration achten kann und eine gewisse Zeit dafür hat. Normalerweise schaut man sonst beim Training zu.“

Diesmal aber gab es den Kontakt zu den Teamkollegen und Trainern nur über das Telefon. Und da macht man sich so seine Gedanken. Dadurch, dass nun auch Leute infiziert waren, mit denen man viel Zeit verbringt, war das Thema Corona auf einmal „viel realer und näher“, sagt der 26-Jährige, „man ist ja in dieser halben Bubble, achtet auf alles und denkt sich okay, die Zahlen steigen, viele Leute bekommen Corona. Aber wir sind in so einem Sicherheitsnetz und schotten uns einigermaßen ab. Da denkt man, dass es eigentlich nicht passieren kann und dann hat man auf einmal sieben Fälle.“

In dieser Woche aber gibt es das große Wiedersehen. Am Montag kehrten die ersten Spieler zurück ins Mannschaftstraining. „Das war auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass wir wieder gemeinsam in der Halle waren“, sagt Thiemann. Aber: „Für die Jungs war es eine ganz andere Situation und ein etwas speziellerer Moment als für mich. Ich habe mich aber sehr gefreut, mal wieder die ganzen Leute zu sehen und persönlichen Kontakt zu haben.“ Nach allen Gesprächen über Covid-19-Infektionen richtet sich der Fokus des Teams in dieser Woche wieder auf sportliche Aufgaben. Am Donnerstagabend (19 Uhr) soll in der Euroleague das Heimspiel gegen den FC Barcelona stattfinden, am Sonnabend will Alba Berlin in der Arena am Ostbahnhof gegen Frankfurt in die Bundesliga-Saison starten. Und Johannes Thiemann hofft, dass die zwei Wochen Einsamkeit in der Trainingshalle gereicht haben, um zumindest gegen Frankfurt dabei zu sein.