Trier - Joshiko Saibou hat dicke Eisbeutel um seine Knie gebunden, das Training mit den Kollegen der deutschen Basketball-Nationalmannschaft in Trier liegt nur wenige Minuten zurück. „Das ist reine Prophylaxe“, sagt er und grinst. Die Gelenke sind in Ordnung, das große Abenteuer kann beginnen. „Einen Kindheitstraum“, nennt Saibou die Olympischen Spiele. In Tokio wird er wahr werden, denn der Aufbauspieler hat sich mit Deutschland auf den letzten Drücker qualifiziert. Der Ausdruck in den Augen von Saibou wirkt klar und fokussiert, wenn er über Japan und die Chancen spricht, mit Deutschland beim Olympischen Turnier überraschen zu wollen. Der Mann hat Lust auf die kommenden Wochen. Vermutlich hat das auch etwas damit zu tun, dass er vor einem Jahr weiter von der Teilnahme in Tokio entfernt war als seine Oma.

Saibou flog im August 2020 aus seinem Vereinsteam, den Telekom Baskets Bonn, ihm wurde fristlos gekündigt. Die Teilnahme an einer Demonstration, die sich mit den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie auseinandersetzte, sorgte dafür, dass er seinen Job verlor und gleichzeitig öffentlich geächtet wurde. Der Basketballer hatte sich in den sozialen Medien außerdem kritisch geäußert. Unter dem Hashtag „#AppellandenVerstand“ provozierte er und stellte die Meinungsfreiheit in Bezug auf die Pandemie infrage. Saibou hatte danach schwere Monate zu überstehen, fand erst im Januar in Frankreich einen Klub, der es wagte, ihn zu verpflichten. Die Nominierung ins Nationalteam sorgte im Juni für Diskussionen, auch Teamkollegen setzten sich kritisch mit seiner Rolle auseinander.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.