Jürgen Klinsmann soll Hertha BSC vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bewahren.
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Berlin-MitteDer Bundesligist Hertha BSC hat sich zwei Tage Zeit genommen, um seine Big-City-Ambitionen mit einer Big-Cheftrainer-Lösung zu unterstreichen. Denn nicht etwa Bruno Labbadia oder Roger Schmidt, wie da und dort vermutet, übernehmen die Nachfolge des gescheiterten Ante Covic, sondern Jürgen Klinsmann. Das meldete am Mittwochvormittag die Bildzeitung. Der 55-Jährige soll bis zum Saisonende die sportliche Verantwortung beim Berliner Traditionsklub tragen. Mindestens. Als Assistenztrainer wird ihm Alexander Nouri, der sich von Herbst 2016 bis Herbst 2017 mit eher durchschnittlichem Erfolg als Bundesligatrainer in Bremen versuchte, zur Seite stehen.

Mit der Verpflichtung des ehemaligen Bundestrainers ist den Verantwortlichen auf den ersten Blick ein Coup gelungen, wenngleich Klinsmann ja vor wenigen Wochen schon von Investor Lars Windhorst über einen Posten im Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, also der Profiabteilung des Klubs, in Position gebracht worden war. Zudem hatte der 55-Jährige ja schon mehrmals betont, dass er sich auch über seinen Vater Siegfried, der Hertha-Fan war, mit den Blau-Weißen verbunden fühlt. Klinsmann verspricht jedenfalls jede Menge Glanz, kann mit seiner Energie, wie er als Impresario des Heim-WM-Sommermärchens 2006 unter Beweis gestellt hatte, allerhand bewegen, verkrustete Strukturen aufbrechen und mit seiner wilden Entschlossenheit Kampagnen vorantreiben.

So gesehen ist Klinsmann für die gern mal zur Trägheit neigende Hertha als Aufrüttler im Moment wohl nicht die schlechteste Lösung. Dieser Klub braucht einen Vorkämpfer, der im sportlichen Bereich mit einer entsprechenden Kompetenz alles infrage stellt.

Als Assistenzcoach an Klinsmanns Seite: Alexander Nouri.
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Und doch stellt sich bei Jürgen Klinsmann die Frage nach seiner Befähigung als Fußballlehrer. Dahingehend sind jedenfalls doch Zweifel angebracht, weil er weder als Trainer des FC Bayern noch als Coach der US-Auswahl die gewünschten Ergebnisse erzielen konnte. In München hatte beispielsweise schon am Tag seiner Präsentation der damalige Bayern-Präsident Franz Beckenbauer seine Bedenken kundgetan. „Is er scho da, der Zauberer?“, fragte Beckenbauer die Reporter, die sich vor der ersten Pressekonferenz mit Klinsmann vor einem Münchner Hotel in Stellung gebracht hatten. Im Juli 2008 war das, am 27. April 2009 trennte sich der von Klinsmann genervte Großklub von Klinsmann. Etwas mehr Geduld hatte der US-Verband mit dem streitbaren Schwaben, doch letztlich kam man auch hier im Herbst 2016 zu dem Schluss, dass nach fünf Jahren unter Klinsmann nicht wirklich von einem Fortschritt die Rede sein kann.

Klinsmann gegen Dortmund bereits im Einsatz

Nun soll Klinsmann schon im Heimspiel gegen Borussia Dortmund das Team von Hertha BSC coachen, der verunsicherten Mannschaft kurzfristig mit den richtigen Worten und dem richtigen Matchplan auf die Sprünge helfen, damit gegen den ebenfalls kriselnden Champions-League-Klub ein erster Impuls für eine erfolgreiche Zukunft gesetzt wird. Ganz im Sinne der Klubführung und natürlich im Sinne von Windhorst, der durch die gegenwärtige sportliche Situation seine Vision und sein durchaus riskantes Investment im Fußballgeschäft in Gefahr sehen muss. Im Gegensatz zu vielen Beobachtern scheint er Jürgen Klinsmann dabei jedenfalls nicht als weiteren Risikofaktor ausgemacht zu haben. Im Gegenteil.