Wurden sich nicht über die Kompetenzen einig: Der zurückgetretene Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (v.) und Manager Michael Preetz.
DPA/Britta Pedersen

Berlin14 Minuten hat Jürgen Klinsmann geredet, irgendwo bei Berlin. Er war hinausgefahren aus der Stadt, um Abstand zu gewinnen, wie er bei einem Livechat im sozialen Netzwerk erzählte. Er wollte seinen plötzlichen Rücktritt als Trainer von Hertha BSC am Dienstagvormittag den Fans erklären. Er sprach sie am Mittwochabend direkt an. Und er bezeicnete die Umstände seines Rückzuges selbst als "fragwürdig und kritikwürdig". Er wolle sich für die Art und Weise seiner überraschenden Demission  nach nur elf Wochen im Amt entschuldigen. Er hätte sich „mehr Zeit lassen sollen, mehr reden sollen mit der Hertha-Führung“, fügte Klinsmann hinzu. Einerseits. Andererseits sei er halt ein Mensch mit Ecken und Kanten. "Ich bin halt ein Typ, der vor sich selber nicht mehr Halt machen kann."

Die Entscheidung sei aber bereits seit Wochen in ihm gereift. Offenbar schon im Trainingslager des Fußball-Bundesligisten in Florida. Auslöser für seinen Rücktritt seien Meinungsunterschiede über die Aufteilung von Kompetenzen zwischen ihm als Trainer und Sport-Geschäftsführer Michael Preetz gewesen. Dies habe ihm „unglaublich aufgestoßen“. Klinsmann sagte, in Deutschland seien die Strukturen halt anders als er es aus Italien, aus Frankreich, aus England oder den USA kenne. In Deutschland sei es so, dass der Manager noch auf der Bank sitzt, Kommentare zu Spielern oder zum Schiedsrichter gibt. "Alle reden mit, alle tun mit. Aber es kann nur einer entscheiden. Der Trainer." Also Klinsmann allein. "Da haben wir uns aufgerieben in vielen Nebenkriegsschauplätzen."

Hertha "absolut nicht" im Chaos

Bis zuletzt habe er sich bei den Berlinern in einem vertragslosen Zustand befunden, sagte Klinsmann. Um Geld sei es nie gegangen, behauptete er. Aber um die Verteilung der Kompetenzen. Ihm sei es wichtig, fuhr Klinsmann in einem Raum fort, in dem er unter einem Fußballer-Gemälde saß und in dem er einen Fußball neben sich platziert hatte, auf der anderen Seite das Laptop, dass er Hertha kein Chaos hinterlassen habe, "absolut nicht". Schließlich habe er damals im November den Klub "in einer Nacht- und Nebelaktion" als "eine Art Himmelfahrtskommando" übernommen. Damals stand der Verein auf einem Relegationsplatz. Jetzt habe er sechs Punkte Abstand zum Relegationsplatz. "Körperlich ist die Mannschaft in einem ganz anderen Zustand, als wir sie vorgefunden haben", sagte Klinsmann. 

Jügen Klinsmann hat auch Lob für Preetz übrig

Schließlich lobte er Preetz dafür, wie super er die Verträge umgesetzt habe für die neuen Spieler, die Klinsmann angefordert hatte. Spieler, die "einen enormen Wert haben für die Zukunft. Da haben wir nicht dumm agiert. Das war keine Geldverbrennung", sagte der 55-Jährige. An den Zielen, Nichtabstieg in diesem Jahr, im kommenden Jahr "weiter Richtung Europaliga" und dann in die Champions League sei unbedingt festzuhalten. "Das ist nicht großköpfig."

Ob er nun tatsächlich seinen Posten als Aufsichtsratsmitglied bei Hertha BSC behält, überlässt Klinsmann dem Verein. Er ist jedenfalls bereit, in das Gremium zurückzukehren, weiß aber wohl, dass es konträre Meinungen dazu gibt: „Da sollen die Leute sagen, wie sie es wünschen.“

Anlass für den Chat im sozialen Netzwerk am Mittwochabend sei die Erklärung der Frage gewesen: "Wie kommt es zu so einer Entscheidung?" Die Bewertung der folgenden Vorgänge überließ Klinsmann seinen Zuhörern. "Ob das richtig oder falsch war, das müsst ihr selbst entscheiden."