Berlin - Die englischen Medien sind begeistert, die prominenten Trainerkollegen erwartungsvoll – das Blitz-Comeback von Thomas Tuchel beim FC Chelsea elektrisiert nicht nur die Hauptstadt London, sondern das gesamte Vereinigte Königreich. Rund einen Monat nach seinem Rauswurf bei Paris St. Germain kann sich der 47-Jährige vor Vorschusslorbeeren kaum retten. „Thomas ist ein außergewöhnlicher Trainer. Er wird hier Erfolg haben. Ich bin froh, ihn hier in diesem Land zu sehen“, sagte Pep Guardiola, Teammanager von Manchester City.

Der Katalane erinnerte auch an die großen Bundesliga-Duelle während seiner Amtszeit bei Bayern München, Tuchel saß seinerzeit zeitgleich bei Borussia Dortmund auf der Trainerbank: „Wie Dortmund damals gespielt hat, war herausragend. Wir mussten hart kämpfen, um die Meisterschaft zu gewinnen.“ Auch Jürgen Klopp, der wie Tuchel seine Profikarriere als Trainer beim FSV Mainz 05 begann, hat keine Zweifel, dass sich sein Kollege auch in der Premier League behaupten kann: „Thomas ist ein sehr guter Coach, ich habe den allerhöchsten Respekt vor ihm.“ Für den FC Chelsea sei dieser Transfer „wie ein Geschenk“.

Eine ganz besondere Stadtrivalität im Fußball-Oberhaus könnte sich zwischen dem FC Chelsea und Tottenham Hotspur entwickeln. Tuchel hatte als Kind, wie er einmal ausplauderte, für die „Spurs“ geschwärmt, aber auch eingeschränkt: „Weil mir der Name so gut gefiel.“

Darauf wollte Jose Mourinho aber nicht eingehen, Tottenhams Teammanager erinnerte stattdessen an Frank Lampard, Tuchels Vorgänger an der Stamford Bridge. „Gerade bei Frank, der eine wichtige Rolle in meiner Karriere gespielt hat, bin ich traurig. Aber der moderne Fußball ist brutal, jeder von uns kann früh oder später entlassen werden.“

Ein Schicksal, das die britischen Medien Tuchel zumindest vorerst nicht prophezeien. Auch wenn der Fußballlehrer noch nie in Großbritannien gearbeitet hat und auch erstmals in seiner Laufbahn eine Mannschaft mitten in der Saison übernimmt. „Tuchel ist bekannt als taktischer Visionär und methodischer Denker“, kommentierte die BBC, der Telegraph charakterisierte den gebürtigen Schwaben ebenfalls mit großen Worten: „Er ist ein verrücktes Genie und gilt als einer der klügsten Köpfe des europäischen Fußballs.“ Gleichzeitig erinnerten britische Medien daran, dass der frühere Coach von Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain trotz sportlicher Erfolge bei bisherigen Stationen deutliche Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinsverantwortlichen gehabt habe. „Es wird spannend zu sehen, wie er mit der Politik des FC Chelsea und der Welt von (Clubinhaber) Abramowitsch umgeht“, schrieb der Telegraph. Aus sportlicher Sicht gelingt das wohl am besten mit Siegen. Aber die scheinen aus Sicht seiner Kollegen nur eine Frage der Zeit zu sein.