Es muss sich niemand, dem die Zukunft von Borussia Dortmund am Herzen liegt, mehr sorgen. Trainer Jürgen Klopp hat am Mittwoch seinen ohnehin bis 2016 laufenden Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Und weil das ungewöhnlich ist in einer Branche, die seit einigen Jahren mit Kurzzeitverträgen auf die Annahme reagiert, dass der Fußball eine endlose Abfolge sportlicher Krisen sei, erklärte Klopp: „Ich habe einfach noch nicht das Gefühl, schon das letzte Kapitel hier beim BVB anreißen zu müssen. Wir sind hier alle nach wie vor ein bisschen verliebt in diesen Verein.“

Es ist schon außergewöhnlich, dass ein Fußballtrainer entscheiden darf, ob er bleiben möchte oder nicht. Und wie lange. Doch Klopp hat für diese Position viel getan, kam 2008, gewann drei Jahre später die erste von zwei Meisterschaften, holte 2012 das Double und stand 2013 im Champions-League-Finale. Seltener noch aber ist das antizyklische Verhalten, mit dem der BVB an dem noch rotznäsigen Übungsleiter festgehalten hat, als seine Arbeit zwar nach viel Expertise und Engagement aussah, aber nicht nach einer Rückkehr des zuvor fast bankrotten Klubs in Europas Klubelite. Sei’s drum, dass der BVB damals vielleicht nicht aus einer Tugend, sondern in der Not den unterkieferbissigen Neuling weiterwerkeln ließ, aber einer Ahnung zu folgen, dass das was werden kann mit dem zuvor nur in Mainz tätigen Klopp, das war damals auch extravagant.

Und ist es jetzt umso mehr, da sich der BVB anschickt, einen Weg zu wählen, von dem sich zuletzt bis auf Arsenal London (mit Trainer Arsène Wenger) und Manchester United (mit dem im Sommer verrenteten Alex Ferguson) alle anderen Topklubs des Kontinents verabschiedet haben. Auch hierzulande der FC Bayern. Dieser Weg führt weg vom flexiblen Menschen, von Kurzzeitdompteuren und Bauernopfern für die Unzulänglichkeiten anderer. Gut zu wissen, dass es noch anders geht. Dass Ahnung und Vertrauen noch einen Wert haben.