Berlin - Nach der schmerzhaften Bauchlandung ließ Rodel-Favoritin Julia Taubitz ihren Tränen freien Lauf. Die Weltcup-Gesamtsiegerin eröffnete das olympische Rennen zunächst mit Bahnrekord, stürzte aber im zweiten Lauf in der berüchtigten Kurve 13 mit gut 120 km/h und muss alle Gold-Hoffnungen begraben. Einen Tag nach dem Coup von Johannes Ludwig steht hingegen Taubitz' Rivalin Natalie Geisenberger als Halbzeit-Führende vor der nächsten Goldmedaille. Zweite ist die Olympia-Debütantin Anna Berreiter aus Berchtesgaden. Am Dienstag werden die Läufe drei und vier ausgetragen.

„Natürlich ist sie im Moment etwas zerstört, sie liegt etwas am Boden. Aber das gehört bei uns dazu, da muss man wieder aufstehen“, sagte Cheftrainer Norbert Loch. „Es fahren keine Maschinen da runter, es sind Menschen, und die machen Fehler. Sie hat in der Kurve 13 einen Fahrfehler gemacht, der dann zum Sturz geführt hat.“ Nach so einem Fehler wirkt laut Loch nur noch die Physik. „Ich habe ihr gesagt, sie hat eine Sekunde zu Platz drei. Das ist Julias Chance, wenn sie zwei Topläufe zeigt.“

Die deutschen Betreuer schlugen entsetzt die Hände vor die Gesichter, als Taubitz in Bauchlage mit dem Schlitten auf dem Rücken ins Ziel rutschte. Die 25-Jährige stemmte sich danach mit den Händen auf die Knie, musste erst einmal durchatmen, Schmerzen und Schock verdauen. Dann fand sie tieftraurig in den Armen von Teamkollege Max Langenhan Trost. Von Platz eins ging es auf Platz 14 zurück.

Derweil ist Geisenberger rundum zufrieden und steht nach den Siegen 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang dicht vor ihrem olympischen Hattrick. Der Vorsprung vor Olympia-Debütantin Berreiter beträgt 0,208 Sekunden. „Es war ein brutal schwieriger Tag“, sagte Geisenberger. „Ich bin froh, dass ich zweimal recht gut gefahren bin. Ich bin im Weltcup und im Training hier gestürzt. Hier erwischt es auch die richtig guten Leute.“ Loch ist sich derweil sicher: „Das lässt sich Natalie nicht mehr nehmen.“

Auf der 1475 Meter langen Bahn unterboten sich Taubitz und Rivalin Geisenberger zunächst in Bestzeiten. Die Olympia-Kritikerin aus Miesbach legte mit Bahnrekord vor, Taubitz konterte umgehend und drückte die Bestzeit auf 58,345 Sekunden. Im zweiten Durchgang war Taubitz ebenfalls schnell unterwegs, ehe sie nach der 13. von insgesamt 16 Kurven die Kontrolle über ihren Schlitten verlor. Immerhin schaffte sie es noch mit Sportgerät ins Ziel, sodass sie am Dienstag wieder antreten und auf ein kleines Wunder hoffen darf. Denn Taubitz liegt bereits 1,595 Sekunden hinter Geisenberger, was im Rodeln eigentlich unmöglich aufzuholen ist.