Sieg für den Vater: Julian Alaphilippe gewinnt die zweite Etappe in Nizza.
AP/Stephane Mahe

NizzaVon seinen Emotionen übermannt weinte Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe nach dem Coup auf der berühmten Promenade des Anglais und zeigte mit dem Finger gen Himmel. „Diesen Sieg widme ich meinem Vater“, sagte der Superstar, der die Grande Nation bei der Tour de France nach einer turbulenten Ouvertüre erstmals jubeln ließ. Es waren bewegende Momente für den Athleten, der erst vor gut zwei Monaten seinen Vater verloren hatte und nun mit seinem Sieg auf der zweiten Etappe in Nizza auch das Gelbe Trikot an sich riss.

Zu den Gewinnern des Auftakt-Wochenendes gehörte Deutschlands Radsport-Hoffnung Emanuel Buchmann, der ohne weitere Schrammen und ohne Zeitverlust bei der ersten Kletterpartie die Tücken an der Cote d'Azur meisterte. „Das hat sich gar nicht schlecht angefühlt. Ich konnte ganz gut mithalten. Bei 100 Prozent bin ich noch nicht, aber wenn ich mich weiter erhole, kann ich eine gute Form haben“, sagte Buchmann. „Das gibt wieder mehr Motivation. Auch die Hüfte hat gehalten. Ich denke, da kann man die Tour anders angehen, als ich vor einer Woche gedacht hätte.“

Der Wucht von Alaphilippe hatte er aber nichts entgegenzusetzen. Der Held des Sonntags hatte elf Kilometer vor dem Ziel eine seiner unnachahmlichen Attacken gestartet und den Sprint einer dreiköpfigen Gruppe vor dem Schweizer Marc Hirschi aus dem deutschen Sunweb-Team und dem Briten Adam Yates gewonnen. Ähnlich hatte Alaphilippe vor einem Jahr auf der dritten Etappe triumphiert und anschließend 14-mal das Gelbe Trikot getragen.

So erlebte die Tour einen spektakulären Start. Wegen Corona hatten die Verantwortlichen die Maßnahmen verschärft. Zuschauer – nur mit Maske – durften am Straßenrand stehen, doch Zehnerreihen wie zu früheren Zeiten waren passé. Start- und Zielbereich wurden an den ersten beiden Tagen abgeriegelt, nachdem die Infektionszahlen in den vorigen Tagen rapide angestiegen waren.

Die Fahrer leben indes in ihrer eigenen Tour-Welt. Und da kletterte Buchmann problemlos die Berge der ersten Kategorie an der Seite der Top-Favoriten um Vorjahressieger Egan Bernal (Kolumbien) und Vuelta-Champion Primoz Roglic (Slowenien) hinauf. Zum Auftakt war es zum Sturz-Chaos gekommen. Auf dem „Glatteis des Sommers“(L'Equipe) waren massenhaft Fahrer zu Boden gegangen. Der erste Regen nach vielen Sommerwochen hatte die teils mit einem Ölfilm bedeckten Straßen in eine Eisbahn verwandelt.

Das wurde John Degenkolb zum Verhängnis, für den das Abenteuer nach einer Knieverletzung beendet ist. Trotz Schmerzen quälte sich der 31-Jährige am Sonnabend ins Ziel, verpasste aber das Zeitlimit. Die Tour-Organisation blieb beim Ausschluss. Auch den Mitfavoriten Thibaut Pinot aus Frankreich erwischte es.

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