Berlin - Beim Tourengehen im Neuschnee lenkte sich Julian Nagelsmann wenigstens mal kurzzeitig vom Münchner Corona-Wahnsinn ab. Der Trainer des Bundesliga-Herbstmeisters steht am Freitag (20.30 Uhr/Sat.1/DAZN) vor der kniffligsten Aufgabe in seiner Zeit beim FC Bayern München. „Es ist, wie es ist. Wir müssen aus der Situation das Beste machen – sollten wir spielen...“, sagte er zum Rückrundenstart gegen Borussia Mönchengladbach. Und: „Ich bin keiner, der rumheult.“

Nagelsmann stellt sich angesichts des Pandemie-Regelwerks der Fußball-Bundesliga auf eine Austragung des Geisterspiels ein. Und wenn erst der Anpfiff ertönt, will er mit kreativen Lösungen und Ideen dafür sorgen, dass der weit enteilte Tabellenführer auch mit einem arg dezimierten Starensemble einen Sieg bejubeln kann. „Aus Trainersicht ist das trotzdem total reizvoll. Spieler spielen auf Positionen, auf denen sie nicht ausgebildet sind“, sagte Nagelsmann. 

Bayerns Notkader macht sich heiß für eine Extremsituation in zwei Pandemiejahren. Nach neun Positivtests von Malediven-Urlauber Manuel Neuer bis zum Turbo-Kicker Alphonso Davies sowie weiteren Ausfällen etwa von Leon Goretzka (Knieprobleme) stößt aber selbst der Münchner Luxuskader an Grenzen. Nagelsmann verteidigte die Urlaubsreisen der Infizierten. Er spracht vom Wert der „psychischen Erholung.“

Eine siegfähige Elf wird Nagelsmann auch immer noch auf den Platz schicken können. Sven Ulreich ersetzt Kapitän Neuer im Tor. „Er hat herausragend gut trainiert“, lobte der Bayern-Coach Ulreich. Vor dem 33-Jährigen werden Pavard, Süle, Roca, Kimmich, Sabitzer, Gnabry, Müller, Tillman, Musiala und Lewandowski auflaufen. „Wir haben noch eine erste Elf, die mit vielen Weltklassespielern bestückt ist“, kommentierte Nagelsmann. Trotzdem hatten die Bayern bei der Deutschen Fußball Liga für eine Spielverlegung geworben. Für Nagelsmann ist das Corona-Regelwerk in machen Punkten fragwürdig, weil zu den 16 notwendigen Akteuren auch gesperrte oder verletzte gezählt werden. Er sorgt sich mehr um die Gesundheit der Spieler.

Abwehrhüne Niklas Süle muss trotz Rückenschmerzen ran. Marcel Sabitzer kommt aus einer Verletzung. Und Nationalspieler Joshua Kimmich muss nach neuen Wochen Corona-Zwangspause, einer Impfdebatte und Lungenproblemen infolge einer Covid-19-Erkrankung beim Comeback gleich einen 90-Minuten-Kaltstart bewältigen. Auf der Bank werden nur Vertragsamateure sitzen – und sogar zwei 16-Jährige. Die Juniorennationalspieler Paul Wanner und Arijon Ibrahimovic holte der Verein eigens aus Spanien zurück, wo sie seit Dienstag mit der deutschen U17-Auswahl im Trainingslager waren. Der FC Bayern stellte bei der DFL den Sonderantrag, gleichzeitig mehr als die drei erlaubten Vertragsamateure auf dem Feld haben zu dürfen.