Berlin - Julian Nagelsmann will im Supercup-Kracher gegen Borussia Dortmund Kraftpaket Erling Haaland ausbremsen und seinen Premierentitel mit dem FC Bayern München holen. „Wir versuchen alle, endlich zu gewinnen. Auch ich bin es von meinen vorherigen Stationen nie gewohnt gewesen, so häufig in Folge nicht zu gewinnen. Von daher freuen wir uns, wenn es morgen der Fall sein sollte und dafür geben wir alles“, sagte Nagelsmann vor dem ewig brisanten Kräftemessen am Dienstag (20.30 Uhr, Sat.1 und Sky) in Dortmund.

Nach einer Stottervorbereitung mit EM-Abstellungen und Verletzungen sehnt der im Sommer von RB Leipzig nach München gewechselte Coach seinen ersten Sieg herbei – der wäre gleichbedeutend mit seinem ersten Titel. „Das ist ein wichtiges Spiel gegen einen Gegner, der sehr gut gestartet ist in die Bundesliga, der ein Topspiel abgeliefert hat gegen Frankfurt“, lobte Nagelsmann Marco Roses Dortmunder, die beim 5:2 gegen die Eintracht mit Doppeltorschütze Haaland richtig Dampf gemacht hatten.

Dortmund gegen München – ein Klassiker

Der noch sieglose 34-Jährige will aber bei bislang nur einem Pflichtspiel mit seinem neuen Verein, dem 1:1 zum Bundesligastart bei Borussia Mönchengladbach, auch „die Kirche im Dorf lassen“. Titel Nummer eins der Saison soll beim FC Bayern dennoch her – Haaland hin, Haaland her. Das Duell mit Dortmund ist im 2010 wiedereingeführten Supercup ein Klassiker. Dreimal siegten die Dortmunder, viermal die Münchner. Zuletzt 2020, als Joshua Kimmich mit einer Willensleistung den 3:2-Siegtreffer erzielte.

Haaland war damals auch erfolgreich – immerhin einmal. Der 21-jährige Norweger sei ein „herausragender Stürmer“, lobte Nagelsmann und warnte: „Wir müssen hinten in der Kette extrem konzentriert sein, dass er wenig Raum kriegen darf, um seine tiefen Läufe zu machen.“ Der BVB sei aber mehr als nur Haaland. „Was sie herausragend gut machen, sind die Tempoverschärfungen“, wies Nagelsmann auf das von „extremem Speed“ geprägte Umschaltverhalten hin, für das Marco Reus, Giovanni Reyna oder Jude Bellingham stehen würden.

BVB-Coach Rose, der wie sein Gegenüber Nagelsmann seine erste Trophäe im deutschen Profifußball gewinnen kann, hofft auf eine ähnliche Vorstellung seines Teams wie beim famosen Ligaauftakt gegen Frankfurt. Das Duell mit der „besten Mannschaft Deutschlands“ aus München ist für ihn mehr als ein unliebsames Schaulaufen zu Saisonbeginn: „Es ist die Möglichkeit, einen Titel zu holen, es ist ein Prestigeduell. Deshalb nehmen wir das ernst, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht optimal sind“, sagte der einstige Gladbach-Coach mit Bezug auf die personellen Nöte.

Hummels, Can, Guerreiro, Meunier, Brandt und Hazard fallen aus

Ob sein Team die vielen Ausfälle namhafter Stars wie Mats Hummels, Raphael Guerreiro, Emre Can, Thomas Meunier und Julian Brandt auch gegen den deutschen Rekordmeister so gut kompensieren kann wie am Sonnabend, bleibt abzuwarten. Bei aller Offensivpower gegen Frankfurt waren Schwächen in der von den Personalproblemen besonders betroffenen Defensive unübersehbar. Zudem fällt nun mit Angreifer Thorgan Hazard, der sich gegen Frankfurt eine Knöchelverletzung zuzog, ein weiterer Profi aus. Für den Belgier könnte der 30 Millionen Euro teure Neuzugang Donyell Malen erstmals in die Startelf rücken. 

Dass sein Team in vielen Medien gleich nach dem famosen Liga-Start zu einem Titelanwärter erklärt wurde, behagt Rose wenig. „Es geht gerade wieder alles relativ schnell, da werden wieder Schlagzeilen produziert“, klagte er. Dagegen kann sein Gegenüber Nagelsmann wieder mit Mittelfeldspieler Corentin Tolisso planen, der nach einem positiven Corona-Test länger gefehlt hatte und den der Coach ausdrücklich lobte. Der 27 Jahre alte Weltmeister aus Frankreich habe zuletzt bei der U23 „herausragend gut“ trainiert. Damit dürfte Tolisso, 2020 beim 3:2 noch selbst Torschütze, zumindest in den Kader zurückkehren.

Die Last, einen Haaland zu stoppen, tragen erstmal andere Bayern-Profis wie Kapitän Manuel Neuer. „Dann haben wir noch den besten Torwart der Welt“, erinnerte Nagelsmann an das letzte Bollwerk der Münchner Verteidigung, „der auch einen guten Tag braucht.“